Beispiel Verteilung Teilhabecluster - Teilhabechancen in den steirischen Gemeinden | Bildung für Erwachsene in der Steiermark

Beispiel Verteilung Teilhabecluster – Teilhabechancen in den steirischen Gemeinden

September 2025

Das Bildungsnetzwerk Steiermark hat Christoph Bauer zum „Teilhabeatlas als Chance für die Zukunft“ interviewt. hier finden Sie Auszüge aus seiner Dissertation.

Zur Verfügung gestellt von Christoph Bauer

Zur Feststellung der Teilhabechancen in den steirischen Gemeinden und des Vergleichs der Verwirklichungschancen zwischen den Gemeinden, wurde neben einer Einzelbetrachtung der Teilhabefaktoren eine Clusteranalyse durchgeführt. Bei dieser Clusteranalyse wurden zehn ausgewählte Teilhabefaktoren (von Arbeitsstätten bis Wanderungssaldo) als Grundlage des Vergleichs herangezogen. Diese Teilhabefaktoren sind in unterschiedlichem Umfang in den 286 steirischen Gemeinden (Stand vor 2025 und damit vor der weiteren Gemeindezusammenlegung der Gemeinden Fürstenfeld und Söchau) vorhanden, wobei jeder berechnete Cluster jene Gemeinden beinhaltete, auf die die einzelnen Teilhabefaktoren in ähnlichem Ausmaß zutreffen.

Zur Verfügung gestellt von Christoph Bauer

Die Analyse ergab anhand der verwendeten Faktoren insgesamt 9 Cluster, deren Verteilung auf die steirischen Gemeinden anhand der Steiermark Karte und der Beschreibung dazu ersichtlich sind. Jeder Cluster ist durch eine unterschiedliche Zusammensetzung von überdurchschnittlich verfügbaren Teilhabefaktoren gekennzeichnet. Dabei zeigt sich, dass den Cluster 1 sieben von zehn Teilhabefaktoren kennzeichnet und sich dessen Gemeinden ausschließlich angrenzend an die Landeshauptstadt befinden. Cluster 1 hat die größte Anzahl an überdurchschnittlichen Teilhabefaktoren eines Clusters (abgesehen von Graz mit allen Faktoren) und ist unter anderem gekennzeichnet durch eine Vielzahl an sehr gut erreichbaren und vorhandenen infrastrukturellen Einrichtungen. Die Bevölkerung weist in diesem Cluster z. B. höhere Bildungsabschlüsse auf.

Zur Verfügung gestellt von Christoph Bauer

Gemeinden des Clusters 2 verteilen sich über die gesamte Steiermark und orientieren sich zu einem größeren Teil entlang der Mur. Den Cluster 2 kennzeichnen sechs verschiedene überdurchschnittliche Teilhabefaktoren, wie beispielsweise eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz oder eine sehr gute Breitbandverfügbarkeit. Die Cluster 3 bis 6 besitzen jeweils fünf Teilhabefaktoren, die über dem steirischen Gemeindedurchschnitt liegen. Somit weisen die Gemeinden zwar Verwirklichungschancen im gleichen Umfang auf, unterscheiden sich jedoch bezüglich der Teilhabebereiche. Diese Clusterzusammenfassung zieht sich über die gesamte Steiermark und besteht aus einzelnen Inseln die zum Teil miteinander verbunden sind. Cluster 3 ist unter anderem gekennzeichnet von einer geringeren Arbeitslosenquote, einer Vielzahl an Vereinen und einem hohen Anteil an Lehre als höchstem Bildungsabschluss in der Bevölkerung. Gemeinden des Clusters 4 haben eine akzeptable Versorgung und eine höhere Anzahl an Arbeitsstätten. Zugleich fehlt es an einer guten Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, sodass fehlende Ressourcen innerhalb der Gemeinde ohne einen eigenen PKW nur schwer über Nachbargemeinden ausgeglichen werden können.

Die Erreichbarkeit von infrastrukturellen Versorgungseinrichtungen ist im Cluster 5 grundsätzlich gut und Vereine spielen hier aufgrund ihrer größeren Anzahl eine bedeutendere Rolle. Gemeinden des Clusters 6 weisen beispielsweise einen guten Zugang zu infrastrukturellen Einrichtungen auf und eine geringere Arbeitslosenquote. Vier Teilhabefaktoren sind in den Clustern 7 und 8 vorhanden. Die Zusammenfassung der Cluster 7 und 8 besteht aus größeren Inseln über die gesamte Steiermark. Wobei der Cluster 7 gekennzeichnet ist durch ein verhältnismäßig hohes kommunales Einkommen und eine gute Breitbandverfügbarkeit. Der Cluster 8 ist durch eine hohe Vereinsanzahl, geringe Arbeitslosenquote und günstige Baugrundstückspreise gekennzeichnet. Der Cluster 9 hat mit drei Teilhabefaktoren die geringsten Verwirklichungschancen. Dieser Cluster kommt ebenfalls in der gesamten Steiermark vor und bildet kleinere Inseln von zusammenhängenden Cluster 9 Gemeinden. Kennzeichnend ist für den Cluster 9 eine gute Versorgung, geringe Arbeitslosenquote und geringe Grundstückspreise. Die Anzahl an verfügbaren Teilhabefaktoren zeigt auf, wie viele Verwirklichungschancen im/in den jeweiligen Cluster(gruppen) überdurchschnittlich vorhanden sind.

Es ist festzuhalten, dass die Darstellung lediglich die Verteilung zeigt, dies jedoch wertfrei zu sehen ist bzw. nicht zwangsweise bedeutet, dass eine Gemeinde schlechter oder besser ist als eine andere. Damit Aussagen über die Notwendigkeit einer Verbesserung der Teilhabechancen getroffen werden können, müsste in einem nächsten Schritt der Bedarf in der Bevölkerung ermittelt werden.

Literaturverzeichnis

Aldrian, Sarah, Fließer, Karin, Egger, Rudolf (2020): Weiterbildung in Regionen mit Bevölkerungsrückgang. Aufbau eines unterstützenden Lernnetzwerkes durch die Volkshochschule. Wiesbaden: Springer.

Egger, Rudolf, Fernandez, Karina (2014): Grundversorgung Bildung. Über die Gefährdung sozialer Kohäsion durch die Ausdünnung der Weiterbildungsstruktur. Wiesbaden: Springer VS.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an:
Dipl.-Ing. Dr.phil. Christoph Bauer, BSc BA MA
conarta – Gesellschaft für empirische Sozialforschung OG
E-Mail: christoph.bauer@conarta.at
Tel.: +43 (664) 992 870 70

Zurück zum Interview mit Christoph Bauer zum Thema Teilhabeatlas als Chance für die Zukunft

Bildungsnetzwerk Steiermark

Bildungsberatung und Information