Demokratie – Umwelt – Bildung

Tag der Weiterbildung 2020

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Ein Nachbericht

Das Bildungsnetzwerk Steiermark hat den diesjährigen Tag der Weiterbildung, unter das Motto Demokratie – Umwelt – Bildung gestellt. Zur großen Freude der renommierten Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb und der Expertin für prekäre Arbeitsverhältnisse, Veronika Bohrn Mena: „Diese Bereiche gehören untrennbar zusammen! Bildung ist der Schlüssel für eine aktive Mitgestaltung von Demokratie.“

Ein erstes Fazit zum Tag der Weiterbildung: Die Welt ist im Wandel ­– wir können mithelfen, ihn in eine positive Richtung zu lenken und die Erwachsenenbildung ist hierbei gefragt und gefordert!

Aufgrund der unsicheren Covid-19-Situation fand der Tag der Weiterbildung heuer in einem sehr ungewohnten Online-Format statt.

Corona ist kein Einzelfall

So kann es nicht bleiben – aber wir dürfen auch nicht wieder in die so genannte Normalität vor Corona zurückkehren! Mahnende Worte fanden jene Expertinnen, die gestern am 15. September im Steiermarkhof einschneidende gesellschaftliche Veränderungen, bedingt etwa durch Klimakrise, prekäre Arbeitsverhältnisse und nicht zuletzt durch Corona, unter die Lupe nahmen und zum aktiven Mitgestalten unserer Zukunft ermutigten.

„Extremereignisse wie Dürreperioden oder Unwetter werden sich häufen, das Artensterben wird rasant voranschreiten. Durch den Anstieg des Meeresspiegels geht Lebensraum verloren und Mensch und Tier müssen immer enger zusammenrücken. Experten gehen davon aus, dass noch an die 6.000 Viren darauf warten, auf den Menschen überzuspringen, “ nennt Klimaforscherin Kromp-Kolb nur einige der drastischen Folgen, die die voranschreitende Klimaerwärmung für Umwelt, Menschen und Wirtschaft mit sich bringt. Das heißt, so die Expertin, dass auch Corona kein Einzelfall bleiben wird: „Wir haben unseren Planeten unter Druck gesetzt – er ist krank. Und auf einem kranken Planeten werden auch Menschen und Gesellschaften krank. Die Entscheidung über das langfristige Klima fällt also jetzt! Es muss in den nächsten Wochen, Monaten, Jahren etwas geschehen.“ Allen voran stünden dabei Nachhaltigkeit und langfristiges Denken.

Lebensqualität statt Lebensstandard
Helga Kromp-Kolb | BOKU Wien | Die Präsentationsunterlagen >

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Dass jeder einzelne etwas tun kann und muss, liegt für die Klimaforscherin klar auf der Hand: „Lebensstil ändern! Öfter Öffis nutzen, hochwertige, regionale Produkte einkaufen, grundsätzlich weniger konsumieren. Auf Lebensstandard, also großes Auto, Fernreisen usw. verzichten und stattdessen auf Lebensqualität, sprich Zufriedenheit, Freude, Glück setzen.

Und auch entsprechende Rahmenbedingungen von der Politik einfordern.“ Diese, so die Kromp-Kolb, sei jetzt nämlich am Zug: „Corona hat gezeigt, dass die Politik kann, wenn sie will und dass die Bevölkerung mitgeht, wenn die Maßnahmen plausibel erklärt werden.“ Konkret gelte es klimafreundliches und nachhaltiges Handeln einfacher und kostengünstiger zu machen, klimaschädigendes müsse im Gegensatz unattraktiv und teuer werden. Erneuerbare Energie, solidarische Landwirtschaft, öffentlicher Verkehr seien hier einige der ganz wichtigen Themen.

Demokratie und soziales Klima – ein Strukturwandel
Veronika Bohrn Mena | ÖGB | Präsentationsunterlagen >

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Ins selbe Horn stößt Veronika Bohrn Mena in Bezug auf die aktuelle und sich abzeichnende Situation am Arbeitsmarkt: „Wir verzeichnen einen massiven Anstieg von atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten hat keine unbefristete Vollzeitanstellung.

Corona hat die Pensionsschere zwischen Männern und Frauen auf 61 Prozent anwachsen lassen. Vor allem in systemrelevanten Branchen wie in der Pflege, sind Arbeitsplätze so gestaltet, dass man sie nur schwer über längere Zeit durchhalten kann.“ Bohrn Mena plädiert dafür, Arbeit und Arbeitszeit gerechter zu verteilen, Arbeitszeiten zu verkürzen, Ungleichheiten in der Entlohnung aufzuheben, den Trend zu Teilzeitjobs zu stoppen usw. Eine Rückkehr zur Normalität, wie er oft eingefordert werde, sei allerdings nicht erstrebenswert: „Die Entwicklung ging schon vor Corona in die falsche Richtung.“

Erwachsenenbildung ist gefragt und gefordert

Für die Erwachsenenbildung sehen die beiden Expertinnen in der jetzigen Situation große Aufgaben und Chancen. Kromp-Kolb: „Alle diese Veränderungen können nicht ohne das Gespräch mit der Bevölkerung stattfinden. Dafür braucht es jedoch kritisch denkende Menschen. Nachdem aber unsere Schulen und Universitäten nicht darauf ausgerichtet sind, kommt der Erwachsenenbildung eine enorm wichtige Rolle zu. Menschen müssen lernen, sich richtig zu informieren, Informationen zu hinterfragen und analysieren sowie kritisch zu denken. Bildung ist das Werkzeug, das es braucht, um den gesellschaftlichen Wandel aktiv mitgestalten und in eine positive Richtung lenken zu können.“

Vielfältige und qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildungsangebote haben eine hohe gesellschaftliche Dimension. Das heurige Motto „Demokratie – Umwelt – Bildung“ ist für Bildungslandesrätin Juliane Bogner-Strauß gut gewählt: „Es gilt, unsere Zukunft im Jetzt zu gestalten und heute aktiv zu sein – für uns, für unsere Kinder und nachfolgende Generationen.“ Zudem betont Bogner-Strauß, dass „neben der Schule der große Bereich der Erwachsenenbildung ein Ort und Raum ist, um Menschen zu befähigen und individuelle Handlungsspielräume zu erweitern, denn damit können wir gemeinsam Zukunft gestalten.“

Hannes Galter, Vorstand des Bildungsnetzwerks Steiermark und Geschäftsführerin Kerstin Slamanig verweisen in diesem Zusammenhang auch auf über 1.200 Bildungsangebote im Fachbereich Natur und Umwelt sowie 1.187 im Bereich Gesellschaft, Politik und Wissenschaft, die allein im Vorjahr angeboten wurden.

Viel dringend Notwendiges und Hilfreiches im Kontext von Demokratie / Politischer Bildung und Klimaschutz / Umweltbildung wird in der steirischen Erwachsenenbildung bereits angeboten, die einschneidenden und dynamischen gesellschaftlichen Veränderungen verlangen jedoch nach mehr. Die Erwachsenenbildung ist gefordert, die Teilhabe, die Teilnahme und die aktive Mitgestaltung unserer Umwelt und der Gesellschaft für jede Einzelne und jeden Einzelnen zu ermöglichen und zu fördern. Wir haben viel vor!

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Foto v. l.: Johann Baumgartner, Kerstin Slamanig, Hannes Galter, Helga Kromp-Kolb, Günter Encic, Veronika Bohrn Mena

Vielen herzlichen Dank an die großartigen Referentinnen Veronika Bohrn Mena und Helga Kromp-Kolb!

Herzlichen Dank an Bildungslandesrätin Juliane Bogner-Strauss für ihre motivierende Videobotschaft und an die Fachabteilung Gesellschaft für die gute Kooperation im Rahmen des Tages der Weiterbildung. Wir danken auch dem Steiermarkhof für die Gastfreundschaft und ein besonders großer Dank gilt natürlich Günter Encic, der uns bewährt professionell moderierend durch diesen etwas anderen Tag der Weiterbildung geführt hat.

Für Rückfragen zur Veranstaltung:

Bildungsnetzwerk Steiermark | bildungsnetzwerk@eb-stmk.at | +43 316 821373 | www.erwachsenenbildung-steiermark.at

Der Tag der Weiterbildung ist eine Kooperation des Bildungsnetzwerk Steiermark mit dem Land Steiermark (A6).