Barbara Fraiss-Gredler hat die HTL besucht, ist Technische Angestellte und Bäuerin. Immer etwas Neues zu lernen, ist ihr wichtig und macht ihr Spaß. Dabei bricht die 39-Jährige auch gerne in sogenannte Männerdomänen ein. So ist sie etwa bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, spielt Klarinette in einer Werkskapelle und hat mit Bravour die Ausbildung zur Forstfacharbeiterin absolviert.
Wie sind Sie auf das Angebot zur Forstfacharbeiter-Ausbildung gekommen?Ich habe über das Landwirtschaftliche Fortbildungsinstitut von dieser Möglichkeit erfahren. Und nachdem ich den landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern übernommen habe, brauchte ich ja ohnehin eine land- oder forstwirtschaftliche Ausbildung. Der Hauptbestandteil unserer Landwirtschaft ist Wald, da lag die Forstfacharbeiter-Ausbildung natürlich nahe.
Die Motivation war also eine rein berufliche?Naja, es gab natürlich diesen betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Aber: Forst ist in meiner Familie ein Generationen-Thema. Da hat Papa von Opa gelernt und ich von Papa. Mir war es aber auch wichtig, außerhalb dessen, Wissen in diesem Bereich zu erwerben – ich wollte mich da wirklich auf den neuesten Stand bringen. Ganz abgesehen vom beruflichen Nutzen macht mir diese Arbeit inklusive der damit verbundenen praktischen und theoretischen Weiterentwicklungen jede Menge Spaß.
Wie ist es Ihnen im Kurs ergangen? Was war für Sie das Unerwartetste?Der Kurs in der FAST Pichl war wirklich super – und vor allem abwechslungsreich und sehr informativ. In der Forstarbeit geht es ja nicht nur, wie man landläufig so meint, ums Baum-Umschneiden. Wir haben auch viel Wissen über Baumarten erworben oder darüber, wie man einen kranken Baum erkennt. Also ganz viel und breit aufgestellte Information. Wissen, das auch außerhalb der Forstarbeit durchaus wertvoll ist. Das hat meine Erwartungen wirklich übertroffen.
Forstarbeit ist nach wie vor weitgehend eine Männerdomäne. Hat sich das auch im Kurs gezeigt?Durchaus! Von den 25 Personen, die teilgenommen haben, waren 22 Männer.
War das für Sie ein Thema und in der Ausbildung in irgendeiner Form spürbar?Nein, überhaupt nicht. Weder was die Vortragenden noch die Kollegen anging – wir drei Frauen wurden da völlig gleich behandelt wie die männlichen Teilnehmer. Da war kein Unterschied zu spüren. Und das Mannsein hatte ja auch keine Vorteile; wir alle – egal ob Mann oder Frau – mussten die Dinge genauso von Grund auf neu erlernen.
Und doch ist diese Ausbildung für eine Frau nicht alltäglich. Wie hat Ihr Umfeld reagiert?Da hat es zunächst schon Zweifel gegeben, ob das für mich als Frau das Richtige ist. Die Bedenken hatten aber vor allem damit zu tun, dass diese Ausbildung, und generell die Forstarbeit, für eine Frau womöglich körperlich zu anstrengend sei. Aber das ist kein Thema – das ist zu schaffen. Der Großteil der Leute hat es aber sehr cool gefunden, dass ich als Frau eine Forstfacharbeiter-Ausbildung mache.Außerdem: Ich bin ja auch schon seit 20 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr – und auch dort vollkommen akzeptiert.
Sie haben einen Hang zu so genannten Männerdomänen?Schaut ganz so aus. Das hat sich bereits in der Kindheit abgezeichnet. Kuchenbacken mit Mama war nie mein Ding. Ich habe die HTL besucht und bin Technische Angestellte. Das ist ja noch immer kein klassischer Mädchen- und Frauenbereich.
Was haben Sie außer Fachlichem von dieser Ausbildung mitgenommen?Zum Beispiel tolle Bekanntschaften und Freundschaften. Da sieht man sich dann immer wieder und tauscht sich untereinander aus. Außerdem habe ich jetzt ein größeres Selbstvertrauen bei der Arbeit im Wald, weil dieser professionelle Hintergrund einfach stärkend wirkt. Das ist schon ein schöner Nebeneffekt.
Wie wirkt sich Ihr neues Können und Wissen konkret in Ihrem Alltag aus?(Lacht!) Ich sage jetzt zum Beispiel dem Papa: Das machen wir so – und das machen wir so. Weil ich eben dieses spezielle Fachwissen habe und auf dem neuesten Stand bin. Und der Papa macht das dann auch. Seine große Erfahrung kombiniert mit meiner aktuellen Fachausbildung macht sich jetzt richtig gut.
Waldbewirtschaftung und Biodiversität sind gerade ein großes Thema – war es das auch im Kurs?Ja, war es! Und ich muss ehrlich sagen, ich habe mich das erste Mal so richtig damit auseinandergesetzt. Bis zu diesem Kurs hat mich das Thema nicht wirklich beschäftigt. Aber wenn man hört, was dieser nachhaltige Zugang für den Forst bedeutet, beginnt man nachzudenken und schaut sich das Ganze plötzlich mit anderen Augen an. Ich habe jetzt auf alle Fälle mehr Bewusstsein für die Bedeutung von Biodiversität.
Wie wichtig ist Ihnen Weiterbildung generell?Sehr wichtig, weil man einfach immer am Ball sein und bleiben sollte.
Was haben Sie dahingehend schon alles für sich gemacht?Eine ganze Menge – vor allem im landwirtschaftlichen Bereich. Ich denke da etwa an den Rindfleischzerlegungs-Kurs, wo man das Handwerk lernt, aber auch viel über die einzelnen Teile, wie sie heißen, wie sie in der Küche am besten verwendet werden usw. Ich habe aber auch Klarinette gelernt und spiele jetzt in der Werkskapelle voestalpine Tubulars Stadt Kindberg.
Und was steht als nächstes am Plan?Ich möchte unbedingt einen Klauenpflege-Kurs machen. Da war ich eigentlich schon angemeldet, aber er ist leider ausgefallen. Ich hoffe, es wird sich bald wieder eine Gelegenheit ergeben. Unbedingt machen möchte ich auch einen Eigenstandsbesamungs-Kurs. Dem laufe ich schon seit einem Jahr nach, der ist aber immer voll – und die Warteliste ist ziemlich lang. Aber auch das wird schon.
Was würde Sie dazu motivieren, noch öfter Weiterbildungen zu besuchen?Die Motivation ist mein eigenes Interesse. Wenn ich gerne etwas machen möchte, bleibe ich dran – und dann ergibt es sich auch irgendwann.
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