Jana Wonisch ist pädagogische Mitarbeiterin der Volkshochschule Steiermark und wird diese auch im Vorstand des Bildungsnetzwerks Steiermark als Nachfolge von Anna-Maria Ambrosch vertreten. Die 26-Jährige hat Erwachsenen- und Weiterbildung studiert und bereits spannende berufliche Wege beschritten. Sie hält die Erwachsenenbildung für wichtiger denn je und sieht in der Künstlichen Intelligenz eine ihrer größten Konkurrenten.
Ende des letzten Jahres haben Sie als pädagogische Mitarbeiterin in der Volkshochschule Steiermark begonnen – einer der ältesten, größten und regional verankerten Einrichtungen der Erwachsenenbildung in der Steiermark. Was sehen Sie aktuell als die größte Herausforderung für die Erwachsenenbildung ganz allgemein?Die Künstliche Intelligenz! Sie wird wohl als unsere größte Konkurrenz gesehen und es wird ganz stark darum gehen müssen, den Menschen zu erklären, warum sie trotz der Möglichkeiten der KI unsere Einrichtungen besuchen sollen. Da geht es etwa um Austausch, Menschen treffen und kennenlernen, um das Gemeinsame – das sind grundlegend wichtige Aspekte, die es jedoch mit der KI zu kombinieren gilt. Es geht nicht um das Eine oder das Andere, es geht hier ganz klar um sinnvolle und wertvolle Ergänzung.Und: Es ist wichtig den Menschen bewusst zu machen, welchen Wert Erwachsenenbildung für ihr Leben hat – vor allem in unserer schnelllebigen, stressigen Zeit und auch, wenn sie glauben, dass der Zeitdruck, unter dem sie stehen, keine Zeit für Weiterbildung lässt.
Wie wird man diesen Herausforderungen begegnen müssen?Da wird es viele übergeordnete Überlegungen brauchen – etwa durch Austausch im Bildungsnetzwerk, mit Träger-Organisationen, mit der Politik, um zu schauen, was konkret zu tun ist. Es werden viele Ideen gesammelt werden müssen – und es wird ganz viel Öffentlichkeitsarbeit brauchen. Man muss die Menschen erreichen.
Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach die Erwachsenenbildung für die steirische Bevölkerung und welchen innerhalb der heimischen Bildungslandschaft?Ich glaube, es gibt nach wie vor viel Wissensdefizit hinsichtlich dessen, was Erwachsenenbildung ist, was sie kann und was sie tatsächlich leistet. Und was den Stellenwert innerhalb der Bildungslandschaft angeht, hinkt die Erwachsenenbildung leider immer etwas hinter dem primären und sekundären Bildungsbereich hinterher. Dabei macht sie die längste Bildungsphase im Leben der Menschen aus und ist vor allem auch deshalb so großartig, weil sie die Möglichkeit bietet, sich auszuleben, sich zu entfalten und zu entwickeln. Sie ermöglicht ganz viel Freiheit.
Was würde es brauchen, damit noch mehr Menschen auf Angebote der Erwachsenenbildung zurückgreifen?Da gibt es sicher viele Möglichkeiten. Wichtig wäre beispielsweise, dass in anderen Bildungsbereichen mehr, oder überhaupt, die Erwachsenenbildung, ihre Möglichkeiten und ihre Bedeutung thematisiert werden – also in den Schulen und an den Universitäten. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich im Laufe meiner schulischen Laufbahn nie mit dem Thema Erwachsenenbildung konfrontiert war.Eine starke Präsenz auf Social Media halte ich ebenfalls für wichtig – wie generell jeden Weg an die Öffentlichkeit. Die Erwachsenenbildung muss auf die Menschen zugehen.
Was wird die Erwachsenenbildung in Zukunft also vorrangig leisten und anbieten müssen?Sie muss niederschwellig sein, sie muss leistbar sein und sie muss mit der Zeit gehen. Es gilt, Trends ganz schnell aufzugreifen.
Und welche Herausforderungen zeigen sich spezifisch in Ihrer Einrichtung, also der Volkshochschule?Momentan sind wir besonders hinsichtlich der Sprachkurse gefordert; es entwickelt sich viel in Richtung KI und Sprachkurse-Apps. Da ist man schon gefordert, niederschwellige aber auch coole neue Kursformate zu finden – vor allem, um auch jüngere TeilnehmerInnen anzusprechen.
Wie wird auf diese Herausforderungen reagiert?Es wird in verschiedenen Feldern intensiv daran gearbeitet. Ich, zum Beispiel, arbeite an neuen Kursformaten. Ein großes Thema sind auch die Online-Angebote, die sehr gut angenommen werden; da heißt es dranbleiben und weiterentwickeln. Diese müssen gut gemacht sein und es braucht TrainerInnen, die die vielen tollen Tools dazu auch beherrschen. Train the trainer ist da eine wichtige Maßnahme – ebenso wie die KI-Fortbildung.
Was ist Ihre konkrete Aufgabe in der VHS?Ich habe als pädagogische Mitarbeiterin einen sehr großen Aufgabenbereich – der reicht von Qualitätsmanagement, Bewerbungen und Statistik bis zu Projekten wie „Digital überall“. Auch die pädagogische Einschätzung von Angeboten inklusive schriftlicher Stellungnahme fällt in meinen Bereich.
Welche beruflichen Stationen haben Sie bereits hinter sich?Ich habe zunächst einmal einen Bachelor in Erziehungs- und Bildungswissenschaften gemacht; dann den Master in Erwachsenen- und Weiterbildung. Durch Corona habe ich keinen entsprechenden Praktikumsplatz bekommen, bin aber zufällig in ein Caritas-Projekt gerutscht, das sich mit Arbeitsuchenden beschäftigt hat. Und dort bin ich dann fünf Jahre lang geblieben. Ein toller Job. Nach fünf Jahren habe ich mir aber gesagt: Es muss etwas Neues kommen! Deshalb habe ich mich umgeschaut und bin auf eine Stellenausschreibung gestoßen, in der eine Case und Care Managerin in einer Reha-Klinik gesucht wurde. Das hat mich interessiert, ich habe mich beworben – und den Job bekommen. Es war eine sehr interessante Erfahrung, ich habe aber auch bald gemerkt, dass es nicht das Richtige für mich ist. Also habe ich wieder Ausschau nach einer neuen beruflichen Herausforderung gehalten. Die Ausschreibung der VHS hat mich vor allem deshalb angesprochen, weil das Betätigungsfeld genau dem entspricht, womit ich mich in meinem Studium beschäftigt habe.
Ein Resümee nach den ersten Monaten?Die Erwachsenenbildung ist ein riesiges Feld – das eröffnet sich mir jetzt in seiner vollen Breite. Hier mitwirken und mitgestalten zu dürfen, macht mir große Freude. Ich erkunde gerade sehr viel und finde es reizvoll, vieles von dem einbringen und umzusetzen zu können, womit ich auch in meinem Studium zu tun hatte. Also angekommen, würde ich sagen.
Apropos Studium: Sie haben sich in Ihrer Masterarbeit mit dem Thema „Digitale Anforderungen und Herausforderungen am zweiten Arbeitsmarkt. Erwerb digitaler Kompetenzen für die Wiedereingliederungen am ersten Arbeitsmarkt dargestellt am Beispiel Beschäftigungsprojekt WerkStart & Start2Work Steiermark“ beschäftigt. Was war Ihre grundlegendste Erkenntnis daraus?Dass digitale Kompetenz eine sehr sehr wichtige Kompetenz ist, eine die es dringend braucht – aber auch eine, die bei den Menschen noch sehr ausbaufähig ist. Es hat sich gezeigt, dass dahingehend noch viel angeboten und gefördert werden muss, weil es vor allem bei den Basis-Kenntnissen noch sehr große Defizite gibt. Die Erwachsenenbildung bietet aber immer wieder Kurse an, in denen solche Basics vermittelt werden – zum Beispiel „Digital überall“ bei uns an der VHS.
Es gibt viele Thesen, wie der Arbeitsmarkt von morgen angesichts der fortschreitenden Digitalisierung ausschauen wird – wie lautet Ihre?Sie wird sich in vielen Bereichen als hilfreich und sinnvoll erweisen; aber es muss rund um den Einsatz und den Umgang mit KI auch ganz viel kritisch hinterfragt werden. Es gibt trotzt aller Vorteile auch viele Schattenseiten und die muss man immer im Auge haben – ich denke da etwa an Fake News, Fake Videos usw. Aber auch an die Gefahr, dass das Denken verlorengeht; ebenso wie das Menschliche. Wenn alles über Maschinen, Computer, KI läuft, wo bleibt dann der Mensch? Wo bleibt das Emotionale und das Gemeinsame? Da braucht es viel Vorsicht; das sind Entwicklungen, die sich aber wohl noch nicht abschätzen lassen. Digitale Kompetenz kann dabei helfen, dass einen solche Entwicklungen nicht ganz überholen.
Sie folgen Anna-Maria Ambrosch als Mitglied im Vorstand des Bildungsnetzwerks Steiermark. Was bedeutet diese Funktion für Sie?Ich sehe diese Rolle als neue Chance und spannende Herausforderung – obwohl ich ja noch gar nicht genau sagen kann, was da alles auf mich zukommt. Es ist ein ganz neues Feld und ich freue mich schon sehr darauf, in diesem wichtigen Bereich mitwirken zu dürfen.
Warum ist eine Einrichtung wie das Bildungsnetzwerk Steiermark aus Ihrer Sicht unverzichtbar?Weil für all die vielen Einrichtungen auf diesem Gebiet wichtige Grundlagenarbeit geleistet wird – wie generell für die Erwachsenenbildung. Besonders was die Sichtbarkeit betrifft, wird da viel getan und muss auch künftig viel getan werden. Den Menschen muss das Zwanglose, Drucklose, Freudige und Spaß machende an der Erwachsenenbildung noch mehr bewusstwerden. Ebenso wie der soziale und gesellige Aspekt am Lebenslangen Lernen. Da muss ein großer Fokus daraufgelegt werden.
Was sind Ihre Ziele im Zusammenhang mit dieser Funktion?Ich will dabei mitwirken, dass allen Menschen eine gutes, niederschwelliges aber qualitativ hochwertiges, zeitgemäßes Bildungsangebot zur Verfügung gestellt werden kann.
Ein Blick ins Private: Was bedeutet Lebenslanges Lernen für Sie persönlich?Es bereichert mich in meinem Sein! Lebenslanges Lernen bedeutet für mich Weiterentwicklung – die auf Freiwilligkeit basiert, die Freude macht und die meine Handlungsfähigkeit erweitert.
Was haben Sie in Sachen Weiterbildung schon alles gemacht?Ich bin 26 – da waren allen voran einmal 18 intensive Jahre, die mit Schule und Studium verbracht wurden. Dazu habe ich auch immer wieder Jobs gehabt, oft bis zu 30 Stunden in der Woche. Da war alles sehr eng und ohne Pause – das würde ich so wohl nicht mehr machen. Für Tennis, Squash und Hip-Hop ist dennoch Platz geblieben.
Ist dahingehend etwas in Planung?Ja, ich würde gerne in Sachen Sprachen einiges nachholen – ich liebäugle mit Spanisch.
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