Weiterbildung ist mein Leben | Bildung für Erwachsene in der Steiermark

Weiterbildung ist mein Leben

Für die Leobnerin Andrea Kapun ist Weiterbildung (über-)lebenswichtig. Die 62-jährige ist deshalb auch in ihrer Pension Stammgast bei diversen Bildungsveranstaltungen und Kursen; lernt laufend etwas Neues dazu und sieht ihren Wissensdurst als etwas, das sich wohl ein Leben lang nicht stillen wird lassen – zu ihrem Glück!

Andrea Kapun © Bildungsnetzwerk Steiermark

Sie haben kürzlich am Kurs „Die Kunst der Regeneration: Wie wir unsere Batterien wieder aufladen können“ von UNItogether teilgenommen. Warum?
Ich bin ja grundsätzlich eine sehr Energiegeladene. Aber es hat mich einfach interessiert, was man diesbezüglich noch besser machen kann – vor allem, wenn man einen schlechten Tag hat. Außerdem hat dort eine Expertin auf diesem Gebiet vorgetragen; das ist also Fachwissen aus erster Hand. Und das macht schon einen großen Unterschied zu dem, was ich mir aus meiner eigenen Sichtweise heraus erarbeitet habe – beziehungsweise es ist eine wertvolle Ergänzung und Erweiterung.

Wie sind Sie überhaupt auf dieses Angebot gekommen?
Ich schaue immer, was in Graz los ist; vorrangig in Zeitungen. Da habe ich einmal eine Glücks-Veranstaltung gefunden. Sie war leider ausgebucht, aber das war eigentlich mein Einstieg in diese intensive Weiterbildungszeit – und mein Weg auf die Uni. Seither besuche ich dort laufend Veranstaltungen – und bekomme auch das Programm regelmäßig zugeschickt. Da finde ich dann immer etwas, wie eben auch diesen Vortrag. Ich recherchiere aber auch viel im Internet – und wenn mich etwas interessiert, fahre ich durchaus auch bis Wien.

Was haben Sie aus diesem Kurs für Ihren Alltag mitgenommen?
Dass man durchaus auch etwas ruhiger sein kann und darf – dass man Nein sagen kann und soll. Da war auch Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit, ein großes und interessantes Thema und für mich sehr hilfreich. Ich musste mich nach dem Tod meines Mannes, mit dem ich 37 Jahre zusammen war, völlig neu orientieren und entdecken.

Was war die wertvollste Erfahrung in diesem Kurs?
Dass es völlig in Ordnung und auch wichtig ist, auf sich selber zu schauen. Nicht immer nur so sein, wie es andere wollen. Und dass ein Schritt zurück, also das gelegentliche Zurückstecken und Zurücknehmen, eigentlich ein Schritt nach vorne sein kann.

Wie haben Sie den Kurs generell empfunden?
Als sehr gut! Er war, wie alle Kurse, die ich bei UNItogether mache, super organisiert. Die Vortragenden sind kompetente Fachleute und man hat im Anschluss immer auch genug Zeit, um Fragen zu stellen. Auf diese wird auch sehr gut eingegangen – diesen Austausch halte ich für überaus wichtig.

Sie haben kürzlich auch den Kurs „Verlorene Verbindungen – Einsamkeit verstehen und überwinden“ absolviert. Was war da Ihre Motivation?
Na ja – ich werde älter und möchte mich früh genug vorbereiten, um eines Tages nicht tatsächlich einsam zu sein. Da ist es ja ganz gut, wenn man sozusagen Werkzeug in der Hand hat und für den Fall des Falles gerüstet ist.

Sind Sie das jetzt?
Überraschenderweise setze ich bereits viel von dem um, was empfohlen wurde. Das ist sehr interessant. Es steckt vermutlich eine angeborene Resilienz in mir. Der Kurs hat aber auch gezeigt, dass sich viel mehr Lösungen anbieten, als Menschen wohl glauben. Natürlich binden Krankheit oder Depression ans Haus, aber selbst dann hat man die Möglichkeit zu telefonieren, an Online-Veranstaltungen teilzunehmen oder Menschen zu sich nach Hause einzuladen.

Warum würden Sie diese Kurse weiterempfehlen?
Eben deshalb – weil es ermutigend ist zu sehen, dass man für sich und seine jeweilige Situation durchaus Lösungen finden kann. Und weil man auch konkrete Dinge in die Hand bekommt. Da kann man, wenn man will, vieles davon recht einfach umsetzen. Ich würde die Kurse aber auch allein deshalb empfehlen, weil es wichtig und schön ist, immer wieder etwas Neues zu machen, Menschen kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen. Da kommt man dann vielleicht gar nicht in diese Einsamkeits-Spirale.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Kurse eigentlich aus?
Ich bin ein Weiterbildungs-Junkie mit einem enormen Wissenshunger und einem sehr breiten Interessens-Spektrum. Da gibt es nicht viele Ausschlusskriterien, außer die Veranstaltungen sind zu spät am Abend. Das ist übrigens schon seit Kindheit an so; da hat mich etwa Archäologie brennend interessiert. Eine höhere Schule zu besuchen war nicht möglich, aber ich habe immer mit meinen Kindern mitgelernt – Latein, Geografie, Geschichte. Und auch beruflich bin ich nie stehengeblieben – ich habe eine Lehre als Fotolaborantin gemacht, mit 27 Jahren habe ich dann eine weitere Lehre zur Druckform-Technikerin abgeschlossen. Mit 55 bin ich noch einmal neu durchgestartet; in der Parfumbranche. Und das, obwohl mir viele davon abgeraten haben, weil es sehr schwierig und aufwendig ist. Aber ich habe mich nicht abhalten lassen und bin zu Kursen nach Graz und Wien gefahren.

Gerade Menschen in Pension sagen häufig „Wozu brauche ich das noch?“ Was antworten Sie da?
Ja, da kenne ich viele, die so denken – und auch so zufrieden sind. Da würde ich sterben!
Das kann ich gar nicht verstehen – ob bei älteren Leuten oder ganz generell. Es gibt ja Menschen, bei denen ist das Bildungsthema mit dem Schulabschluss beendet. Aber gerade im Alter haben Bildungsangebote einen so großen Mehrwert – sie halten körperlich und geistig fit, sie wirken gegen Einsamkeit, sie lassen einen neuen Menschen kennenlernen, sie eröffnen neue Welten… All das würde ich diesen Leuten sagen.

Die Frage, wie wichtig Ihnen lebenslanges Lernen ist, erübrigt sich da wohl?
Es ist mein Leben! Ich war immer eine Wissbegierige – und kann mir nicht vorstellen, dass sich das jemals ändern wird.

Geben Sie uns einen kurzen Einblick in Ihre jüngste Weiterbildungs-Vergangenheit …
Mir fällt oft gar nicht mehr ein, was ich eigentlich schon alles gemacht habe. Aber da war etwa an der Kunstuni ein Trommelkurs, im Frühling habe ich dort auch einen Flamenco-Kurs gemacht – das war besonders lustig. Ich habe einen Theaterworkshop besucht und im Vorjahr an einem zweitägigen Theaterkurs teilgenommen. Ich lerne Französisch; angefangen habe ich damit schon vor einigen Jahren am Institut culturel de Graz.

Da bleibt ja gerade noch Zeit um Essen und Schlafen?
Nicht ganz! Denn mein Tag beginnt eigentlich täglich mit einem Fitnessstudio-Besuch – um acht Uhr. Danach schwimme ich eine Runde. Und ich schreibe gerade an meinem zweiten Krimi. Einer ist schon abgeschlossen – der dritte ist zumindest schon teilweise im Kopf …

Und es ist wohl auch einiges in Planung – oder?
Ja, zum Beispiel ein Kurzurlaub in Kroatien. Ich mache generell gerne Reisen, meist mit dem Bus – nach Paris oder Nizza. Ich bin da auch sehr viel alleine unterwegs, aber man lernt ja eigentlich immer nette Leute kennen; ich habe auf Reisen schon ganz tolle Bekanntschaften gemacht.

Wie schätzen Sie das allgemeine Weiterbildungsinteresse generell ein?
Also das halte ich nicht für sehr stark ausgeprägt. Aber wenn ich in den Kursen sehe, dass dort Jung und Alt zusammenkommen, dann gibt mir das schon Hoffnung, dass die Leute nach der allgemeinen Schulbildung nicht ganz zu lernen aufhören.

Was könnte ein Anreiz für Weiterbildung sein?
Beispielsweise attraktive Angebote in den Regionen. Bei mir in Leoben gibt es beispielsweise für mich zu wenig. Ich fahre deshalb oft nach Graz; da wären zum Beispiel Kooperationen der Einrichtungen und auch mit Unis sicher eine gute Möglichkeit, mehr Angebote zu uns nach Leoben zu bringen. Angebote im nahen Umfeld sind sicher ein Anreiz; auch zeitlich muss es passen. Und wenn es für Senioren so etwas wie einen Bildungsscheck geben würde, wäre das sicher auch eine gute Sache.

Bildung wirkt … wie ein Schneeball, der rollt und rollt und dabei immer größer, voller, schöner wird.

Weiterführende Informationen

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Im Weiterbildungsnavi Steiermark finden Sie tausende Bildungsangebote zu unterschiedlichen Themen. Es ist bestimmt auch etwas für Sie dabei! Hier finden Sie auch Informationen zu Bildungsangeboten des Zentrums für Weiterbildung der Universität Graz.

Und wenn Sie noch nicht ganz wissen, welche Chancen es für Sie im Bildungskontext gibt: Information und Beratung zu allen Fragen der Aus- und Weiterbildung für Erwachsene erhalten Sie im Bildungsnetzwerk Steiermark anbieterneutral und kostenlos:

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