Zum Weiterkommen braucht es Weiterbildung | Bildung für Erwachsene in der Steiermark

Zum Weiterkommen braucht es Weiterbildung

Für Georg Suppan bedeuten Bildung und ein erfüllender Beruf Lebensgrundlage und Lebensqualität. Deshalb scheut er nicht vor Berufswechseln zurück, wenn Herausforderung, Verantwortung und Sinn zu kurz kommen – ob im Verkauf oder als Volksschullehrer. Seine aktuelle Beschäftigung als Arbeitsbegleiter stimmt ihn euphorisch: „Ich fühle mich angekommen!“ Sein Bildungs-Appell: weniger Social Media-Wissen, mehr Vertrauen in die Wissenschaft!

Das Bild zeigt ein Porträt von Georg Suppan, Begleiter bei Lebensgroß, Gesprächspartner des Bildungsnetzwerk Steiermark im Rahmen von Bildung wirkt.
Georg Suppan © BN

Sie sind als Arbeitsbegleiter tätig. Was machen Sie da konkret?
Ich begleite bei LebensGroß ein Programm, das sich „Teilhabe an der Beschäftigung“ nennt. Heißt: Menschen mit Beeinträchtigung, die aus verschiedensten Gründen einen klassischen Acht-Stunden-Tag nicht schaffen, bekommen die Möglichkeit, einer Arbeit nachzugehen. Bei mir sieht das jetzt im Moment so aus, dass ich mit sechs Personen in einer Firma in Graz arbeite. Sie haben dort ihren Möglichkeiten entsprechende Aufgaben zu erledigen – und ich betreue sie, unterstütze sie, helfe gegebenenfalls auch mit. Ich bin sozusagen der „playing captain“. Zudem koordiniere ich die Arbeit mit der Abteilungs- und Werksleitung – und ich betreue die Leute an einem Tag in der Woche auch im Rahmen der so genannten Sozial-Gruppen-Arbeit. Das ist vielfältig und überaus spannend, weil hier vom Federballspielen im Park über gemeinsames Essen im Lokal bis zu Filmschauen und Themen wie Feminismus diskutieren alles darunterfällt.

Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?
Das war purer Zufall! Eine Bekannte hat mich darauf aufmerksam gemacht – eigentlich bin ich als Ersatz für zwei Monate eingesprungen. Es ist aber für alle Beteiligten sofort super gelaufen und mir war rasch klar, dass ich das gerne weitermachen würde. Gefragt! Bekommen!

Welche Ausbildung befähigt Sie für diese Tätigkeit?
Ich habe ein sehr buntes Berufsleben hinter mir – damit sind viele Erfahrungen, Aus- und Weiterbildungen und ein breites Wissen in unterschiedlichsten Bereichen verbunden. Zuletzt habe ich als Volksschullehrer gearbeitet. Das war ein wunderbarer Job von dem ich für meine jetzige Tätigkeit natürlich enorm profitiere.

Welche Aus- und Weiterbildungen haben Sie da beispielsweise gemacht – und wo?
Ich habe nach der Matura an der Karl-Franzens-Universität zu studieren begonnen, ich war auf der Pädagogischen Hochschule, habe eine Ausbildung zum EDV-System-Betreuer gemacht und die Unternehmer-Akademie besucht – war bei diversen Umschulungen und Weiterbildungen bei BFI, WIFI, im bit-Schulungscenter und habe auch an der Volkshochschule mein Englisch verbessert – weil ich zwischendurch auch international unterwegs war. Um nur Einiges zu nennen.

Was ist für Sie ausschlaggebend, um sich in einem Beruf wohlfühlen und verwirklichen zu können?
Die Arbeit muss herausfordernd sein und ich muss Verantwortung übernehmen können. Es muss ein Klima des Vertrauens und der aufrichtigen Feedbackkultur herrschen. Und, ganz pragmatisch, es muss auch die Entlohnung stimmen. Aber: Allen voran muss die Arbeit sinnstiftend sein! Das ist mir mit zunehmendem Alter immer wichtiger geworden. Ich habe im Verkauf, im Management gearbeitet, aber ich habe immer mehr jene Menschen zu bewundern begonnen, die etwa in Berufen wie der Krankenpflege tätig waren. Deshalb habe ich mit 45 die Ausbildung zum Volksschullehrer gemacht – das war einfach genial! Speziell auch die Zusammenarbeit mit Jüngeren, das war eine enorme Bereicherung und hat meinen Blick für vieles erneuert und geöffnet.

Ein Beruf, der nach wie vor weitgehend von Frauen ausgeübt wird. War das ein Thema für Sie?
Um Gottes willen! Das ist ja eine völlig veraltete Zugangsweise. Das war Null Thema für mich – und auch für meine Kolleginnen. Ja, ich war an der Schule, an der ich unterrichtet habe, tatsächlich der einzige Mann. Als solcher aber auch sehr willkommen – als männliche Bezugsperson für die Schülerinnen und Schüler. Jetzt, in meinem Sozialberuf, habe ich ja auch eine weitgehend weibliche Kollegenschaft.

Was lässt Sie in Ihrem aktuellen Job sagen: Hier fühle ich mich angekommen?
Wie gesagt: Die Arbeit macht Sinn. Dazu kommt die Unternehmenskultur, die Feedbackkultur, die gesamte Atmosphäre. Ein tägliches Danke, positive Rückmeldungen, zu sehen, wie der Einsatz Früchte trägt – das hat bei mir eine regelrechte Euphorie ausgelöst.

Und welche Umstände veranlassen Sie zu sagen: Es ist Zeit zu gehen?
Wenn es mir im Beruf langweilig wird, wenn die Herausforderungen fehlen. Wenn mir ein gewisses selbstständiges Handeln und Denken genommen wird und die Strukturen zu eng sind. Und: wenn es gilt Ziele zu erreichen, von denen man von vornherein weiß, dass sie unerreichbar sind.

Welche Vorteile sehen sie darin, generell öfter seinen Job zu wechseln?
Na, ja – wenn der Job keine Freude mehr macht, wenn man nicht mehr mit Leidenschaft dabei ist, dann sollte man etwas ändern. Denn schließlich verbraucht man dafür mindestens 40 Stunden wertvolle Lebenszeit in der Woche! Oft fehlt einfach der Mut sich zu verändern, dann verharren und erstarren Menschen in ihren Jobs. Das ist schade! Meine Eltern – beide Lehrer – haben anfangs sehr mit meinen häufigen Berufswechseln gehadert. Heute verdanke ich diesem Umstand aber eine breite Erfahrung.

Wie wichtig ist Ihnen Weiterbildung generell?
Sehr wichtig! Wenn ich mich nicht weiterbilde, kann ich ja nichts verändern – weder in meinem beruflichen noch in meinem privaten Leben. Zum Weiterkommen braucht es Weiterbildung.

Sie haben unglaublich viele Aus- und Weiterbildungen gemacht, gibt es dennoch etwas, dass sie bereuen, nicht gemacht zu haben?
Ja, das gibt es tatsächlich! Ich hätte Ukrainisch lernen sollen, als ich in der Ukraine war. Ich war dort für ein Auslandssemester – aber es hat gerade kein konkretes Sprachangebot gegeben. Weder in Österreich noch in der Ukraine. So habe ich nur vor Ort gerade so viel gelernt, dass ich mich im Alltag, etwa beim Einkaufen, durchschlagen konnte.

Steht aktuell eine Weiterbildung am Plan?
Nein. Ich konzentriere mich jetzt auf meine tolle Arbeit und auf meinen „Freizeit-Job“ – ich arbeite im Sommer nämlich auch als Bademeister.

Wie schätzen Sie den Weiterbildungseifer in unserer Gesellschaft generell ein?
Ehrlich gesagt: um den steht es sehr schlimm. Wenn ich schaue, was hier zum Teil alles abgeht, vor allem auf den Sozialen Medien, frage ich mich, wie viel Basisbildung da eigentlich vorhanden ist. Also. da ist viel zu tun!

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Weil wir in einer Zeit der Selbstüberschätzung, der falschen Selbsteinschätzung leben. Die Leute glauben ja, dass sie belesen und gebildet sind – aufgrund dessen, was sie auf diversen Social Media-Kanälen tagtäglich konsumieren. Aber das ist eben nicht das, was man unter Bildung verstehen sollte. Das ist Halbwissen, das sich die Leute an der „youtube-Universität“ aneignen. Ich habe das Gefühl, es gibt leider immer mehr von diesen selbst ernannten Gescheiten.

Wie könnte sich das hin zu „echter“ Bildung ändern?
Was die Gesellschaft generell braucht und verbessern würde, wäre eine Entzauberung von Social Media. Man müsste es hinkriegen, den Menschen begreiflich zu machen, dass es einen riesigen Unterschied macht zwischen wissenschaftlich belegten Fakten und so emotionalen ideologiegetriebenen Halbwahrheiten, wie sie jetzt gerne kursieren. Die Wissenschaft müsste man also viel mehr stärken.

Was würden Sie sich diesbezüglich von Einrichtungen und Angeboten der Erwachsenenbildung wünschen?
Dass sie Wissenschaft erklären! Egal welches Seminar, egal welcher Kurs – es muss klar sein, dass das vermittelte Wissen wissenschaftlich belegt ist. Es muss erklärt werden, dass verlässliche, fundierte Wissenschaft dahintersteckt. Und: Man muss Menschen dabei helfen zu erkennen, dass wir in einer unglaublich komplexen Welt leben, die wir als Einzelne nicht mehr verstehen können. Da braucht es die Wissenschaft – und da braucht es vor allem Vertrauen in die Wissenschaft. Und um das verstehen zu können, braucht es Bildung. Nur ein Beispiel: Ich verdanke es meiner Bildung, dass ich rund um Corona fachlich und sachlich mitdiskutieren konnte – viele hat es da ja leider in eine Welt des Halb- und Nichtwissens, der Fake News und Emotionen hineintheatert.

Zurück zu Ihren Fähigkeiten – gibt es etwas, das sie gerne können würden?
Ja, ich wäre gerne unglaublich sportlich!

Haben Sie (jetzt) einen Traumberuf?
Grundsätzlich würde ich wahnsinnig gerne viele Berufe ausüben. Obwohl: Ja, jetzt habe ich wirklich etwas ganz Tolles gefunden – das fühlt sich ganz stark nach Angekommen an.

Bildung wirkt … befreiend!

Weiterführende Informationen

Im Weiterbildungsnavi Steiermark finden Sie tausende Bildungsangebote zu unterschiedlichen Themen. Es ist bestimmt auch etwas für Sie dabei! Hier finden Sie auch Informationen zu den Angeboten von LebensGroß.

Und wenn Sie noch nicht ganz wissen, welche Chancen es für Sie im Bildungskontext gibt: Information und Beratung zu allen Fragen der Aus- und Weiterbildung für Erwachsene erhalten Sie im Bildungsnetzwerk Steiermark anbieterneutral und kostenlos:

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