Weiterbildung erhöht Lebensqualität und Lebensfreude im Alter | Bildung für Erwachsene in der Steiermark

Weiterbildung erhöht Lebensqualität und Lebensfreude im Alter

September 2025

Marion Innerhofer-Eibel ist stellvertretende Leiterin des Referats Familie, Erwachsenenbildung und Frauen im Land Steiermark und dort für den Fachbereich „Ältere Generationen“ zuständig. Ihre Wissbegierde und ihre Lust auf stets neue Herausforderungen stillt sie gerade mit einem berufsbegleitenden Studium und der Erweiterung ihrer Portugiesisch-Kenntnisse.

Marion Innerhofer-Eibel @ BN

Welche beruflichen Stationen haben Sie in Ihre aktuelle Funktion geführt?
Nach sieben Jahren in der Privatwirtschaft bin ich jetzt bereits seit 20 Jahren beim Land Steiermark beschäftigt. Und seit mehr als zehn Jahren arbeite ich im Referat Familie, Erwachsenenbildung und Frauen. Ergeben hat sich das, wie so oft im Leben, aus einem reinen Zufall heraus ­– man redet, man wird gefragt. Das Angebot, den Bereich „Ältere Generationen“ zu übernehmen, habe ich sehr gerne angenommen. Das ist eine wunderschöne Aufgabe. Die stellvertretende Leitung hat sich vor zwei Jahren ähnlich ergeben – ich wurde gefragt.

Womit beschäftigen Sie sich im Bereich „Ältere Generationen“ konkret?
Ich bin für den Aufbau, die Positionierung und Weiterentwicklung dieses Fachbereiches zuständig. Da gibt es neben Grundlagen- und Strategiearbeit vor allem auch sehr viele konzeptionelle Arbeiten. Das heißt, evaluieren und Möglichkeiten erarbeiten, wie man das Thema im Referat aber vor allem auch generell im Land vorantreiben kann. Ich mache hier mit dem Referat aber beispielsweise auch Veranstaltungen, Kampagnen und Workshops wie etwa „ZWEI & MEHR Generationen“ oder die Equal Care Day-Konferenz und wir entwickeln verschiedene Förderprogramme – wir sensibilisieren, initiieren und begleiten Projekte, vernetzen verschiedenste AkteurInnen im Bereich „Ältere Generationen“. Dabei arbeiten wir sehr stark mit unseren Partnerorganisationen zusammen, beauftragen sie mit Projekten und greifen auch auf deren Expertisen zurück.

Wie gut versorgt ist die ältere Generation in der Steiermark hinsichtlich Weiterbildungsmöglichkeiten?
Grundsätzlich ehr gut. Es gibt in der Erwachsenenbildung ja eine unglaubliche Fülle an unterschiedlichsten Angeboten – für jede Altersgruppe. Einige Erwachsenenbildungseinrichtungen haben aber auch seniorenspezifische Angebote im Programm; und es werden immer mehr.

Für wie wichtig halten Sie solch spezifische Angebote?
Für sehr wichtig. Bildung und Lernen im Alter ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Wenn man sich den gesellschaftlichen Wandel und die rasanten Veränderungen ansieht, dann ist es ein Muss, sich anzupassen und entsprechend darauf einzustellen, um zufrieden, gesund und selbstbestimmt leben zu können. Das Lebenslange Lernen ist die Grundlage für Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe im Alter.

Ist das Bewusstsein dafür in der älteren Generation vorhanden?
Da braucht es schon eine konsequente Sensibilisierung, denn Bildung wird nach wie vor sehr berufsbezogen gesehen. Sie hört aber mit der Pensionierung nicht auf. Das Bildungsnetzwerk Steiermark ist hinsichtlich dieser Bewusstseinsbildung eine ganz wichtige Einrichtung – ich denke da beispielsweise an Initiativen wie die Interviewreihe „Bildung wirkt“, den alljährlichen „Tag der Weiterbildung“ oder das Weiterbildungsnavi Steiermark, wo man einen perfekten Überblick über die gesamte Breite der vielen tausend Angebote bekommt. Wichtig ist zudem, dass Erwachsenenbildungsangebote auch für die nachberufliche Lebensphase entsprechend gefördert werden.

Welche konkreten Maßnahmen gibt es da?
Etwa die Initiative „ZWEI & MEHR Generationen“, wo man gemeinsam lernt und auch Menschen erreicht, die grundsätzlich etwas bildungsferner sind. Auch das freiwillige Engagement ist dahingehend ganz wesentlich, denn da geschieht Lernen oft „verdeckt“. Eine wichtige und wirkungsvolle Maßnahme ist etwa auch die Attraktivierung von Lernorten. Ein wunderbares Beispiel dafür sind die Bibliotheken. Da laufen gerade verschiedenste Projekte im Rahmen derer darauf geschaut wird, wie sich speziell ältere Menschen erreichen lassen. Solche Orte müssen gestärkt und zu Bildungsorten weiter ausgebaut werden.

Was bewegt, was wünscht sich die ältere Generation in der Steiermark – generell, aber speziell auch hinsichtlich Weiterbildung?
Ein ganz großes Thema ist aktuell die Einsamkeit – das geht auch aus den Erhebungen für den Steirischen SeniorInnenbarometer hervor. Projekte wie „ZWEI & MEHR Generationen“ helfen, hier entgegenzuwirken. Grundsätzlich zeigt sich aber, dass die steirischen SeniorInnen sehr aktiv und vor allem auch sehr engagiert sind. In der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen spielt zum Beispiel Freiwilligenarbeit eine große Rolle und sogar ein Viertel der über 80-Jährigen engagiert sich noch freiwillig in diversen Organisationen aber auch in der Nachbarschaftshilfe.

Um den Bedürfnissen auch wirklich gerecht zu werden ist uns bei der Erarbeitung von Maßnahmen und Projekten wichtig, die die ältere Generation miteinzubeziehen.

Haben Sie ein Beispiel dafür?
Ja, etwa die bereits erwähnten Bibliotheken. Wir fragen ab, warum Bibliotheken genützt oder eben nicht genützt werden. Oft hört man dann, das Angebot sei nicht bekannt; es gibt auch ganz pragmatische Gründe wie eingeschränkte Mobilität oder eingeschränktes Hörvermögen. Wenn das bekannt ist, kann entsprechend reagiert werden. Das Lesezentrum hat etwa Mikrofone angekauft, die Bibliotheken für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Es wird aber auch altersspezifische Literatur angekauft, es gibt Bücher in speziell großer Schrift für Menschen mit Sehbehinderung usw.

Auch die Mehrgenerationenhäuser sind da ein schönes Beispiel – da bräuchten wir noch viel mehr davon. Das sind konsumfreie, geschützte Gemeinschaftsbereiche, öffentliche Treffpunkte, „unverdächtige“ Orte, wo unter anderem auch Sozialarbeiter anwesend sind – da werden Lernprozesse angeregt, da können verschiedenste Angebote eingebracht werden und unterschiedlichste Organisationen anknüpfen.

Was zeichnet ein altersfreundliches Land, eine altersfreundliche Stadt aus?
Eine altersfreundliche Gemeinde fördert aktives Altern ­– dafür passt sie Infrastruktur, Dienstleitungen und soziale Angebote an. Das heißt etwa, dass Bildung und Lernen überall vor Ort möglich sind. Dass es eine gute Versorgung rund um Gesundheit, Pflege und Mobilität gibt. Das geht ja alles Hand in Hand. Gesündere Menschen sind meist bildungsaffinere Menschen und nehmen verstärkt an Weiterbildungen teil. Wichtig ist, dass dabei, wie schon erwähnt, ältere Menschen als aktive MitgestalterInnen mit ihren Bedürfnissen, Bedarfen und Fähigkeiten miteinbezogen werden.

Altersfreundlichkeit umfasst aber noch viele andere Aspekte. Das Modell der „Age-friendly Cities and Communities“ der Weltgesundheitsorganisation bietet hier eine gute Orientierung. Wien ist übrigens die einzige Stadt Österreichs in diesem WHO-Netzwerk. Wir würden uns freuen, wenn sich mehr Gemeinden hier anschließen würden. Wichtig ist: von alternsfreundlichen Umgebungen profitieren alle Generationen!

Das heißt?
Es braucht noch viel – von senioren- beziehungsweise generationenfreundlichen öffentlichen Plätzen bis zu Initiativen über Generationen und Kulturen hinweg. Die Angebote müssen vielfältig, niederschwellig, realistisch sein. Der Kontakt mit anderen Generationen und Kulturen ist übrigens auch wichtig, um Vorurteile abzubauen. Respekt und Integration sind wesentliche Bausteine einer altersfreundlichen Gemeinde, ebenso Bildungsangebote und gesellschaftliche Teilhabe.

Wir stehen aber nun einmal vor der Situation, dass gerade Bildung und Lernen in Bezug auf die ältere Generation nicht jener Stellenwert eingeräumt wird, wie für andere Lebensphasen. Daher werden für diesen Bereich auch nicht so viele Ressourcen freigemacht. Bildung wird in der nachberuflichen Phase eher als individuelle Angelegenheit gesehen. Ist es aber nicht! Denn je gebildeter und damit gesünder, zufriedener, selbstständiger ältere Menschen sind, umso besser für die Gesellschaft.

Was ist dahingehend also das Ziel Ihres Referates?
Bildung und Lernen im Alter eben nicht als rein individuelle Angelegenheit sehen, sondern als wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Wenn Menschen ihr Leben im Alter gut bewältigen können, gesund sind, kann sich beispielsweise der Pflegebedarf weit nach hinten verschieben. Und das will doch letztlich jeder – ein möglichst langes Leben in guter Lebensqualität. Nicht zu vergessen ist auch der ökonomische Mehrwert, den gesunde, aktive SeniorInnen für unsere Gesellschaft bedeuten. Daher ist es unser Ziel, Lernen und Bildung im Alter zu forcieren – mit Angeboten rund um Gesundheitskompetenz, digitalem Know-how, Bewegung; die gesamte Palette der Erwachsenenbildung ist hier relevant. Und wir müssen vor allem auch realistische Altersbilder fördern. Apropos realistisch: ein Referat allein kann das natürlich nicht bewältigen.

Alter wird vielfach nur als Belastung und Kostenfaktor gesehen. Worin aber sehen Sie die Potenziale der älteren Generation für die Gesellschaft?
Das Alter muss auf alle Fälle auch als Vorteil, als Chance, gesehen und genutzt werden. Da gibt es enorm viel Erfahrung, Wissen und Können, das nicht brachliegen sollte. Eine gute Möglichkeit diese Potenziale zu nützen ist die Freiwilligenarbeit, die ja eine Win-Win-Situation darstellt: Man gibt etwas – und bekommt etwas. Denn freiwilliges Engagement bedeutet ja immer auch, dass man dazulernt und sich weiterentwickelt.

Man kann die Potenziale aber auch dahingehend nützen, dass Menschen länger im Beruf gehalten werden. Da braucht es dann allerdings spezifische Rahmenbedingungen, altersgerechtes Arbeiten und natürlich auch Investitionen in die Weiterbildung älterer Menschen.

Für welche künftigen Herausforderungen sollte sich die ältere Generation besonders rüsten?
Ein ganz großes Thema ist da sicherlich die Digitalisierung – sowohl im Beruf als auch in der nachberuflichen Phase. Sie spielt einfach in alle Lebensbereiche hinein, ist vielfach schon Selbstverständlichkeit und schreitet rasant voran. Da heißt es am Ball bleiben und zumindest mit den grundlegendsten Entwicklungen Schritt halten.

Wie schaut es bei der älteren Generation mit dem digitalen Nutzungsverhalten aus? Wo sind die Hürden?
Die digitalen Kompetenzen und das dahingehende Nutzungsverhalten haben sich coronabedingt zwar positiv entwickelt, es ist bei der älteren Generation aber nach wie vor wichtig, Ängste und Barrieren abzubauen und Freude an der Digitalisierung zu forcieren. Es muss bewusst gemacht werden, dass digitale Kompetenzen mit vielen Vorteilen und erhöhter Lebensqualität verbunden sind. Gerade weil Einsamkeit ein wachsendes Thema ist, hier kann die Technologie eine der möglichen Lösungen sein.

Die Bereitschaft digitale Möglichkeiten zu nutzen, fällt übrigens im privaten, familiären Bereich weitaus leichter als im öffentlichen. Wenn es etwa um die ID Austria oder um Bankgeschäfte geht, ist die Hemmschwelle weitaus größer. Da gibt es viele Bedenken rund um Sicherheit und Datenschutz – im privaten Bereich wird hingegen viel unvorsichtiger agiert.

Daher muss auch der kritische Umgang mit den digitalen Möglichkeiten forciert werden – mit entsprechend altersgerechten Angeboten. „Digital überall“ ist da etwa ein Beispiel dafür.

Wie schätzen Sie den Stellenwert der Erwachsenenbildung in unserem Land generell ein?
Überall dort, wo es um den beruflichen Kontext geht, ist die Notwendigkeit durchaus bewusst. Im nonformalen Bereich haben wir allerdings noch viel Luft nach oben. Da ist der sonst so hohe Stellenwert der Erwachsenenbildung leider eher gering.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Weil vielfach noch die Denkweise vorherrscht, dass alles, was nicht unmittelbar im beruflichen Rahmen wichtig und verwertbar ist, nicht wichtig ist. So manche Angebote werden gar nicht als Weiterbildung gesehen. Die Breite dessen, was Bildung und Lernen alles ist und sein kann, ist nach wie vor zu wenig bewusst. Und auch bei der Ressourcenverteilung wird dieser Bereich leider hintangestellt.

Wie könnte sich das ändern?
Wir brauchen einen „4-Generationen-Blick“ und eine bessere Ressourcenverteilung über alle Lebensphasen. Bildungsinvestitionen müssen vom Kindergarten bis ins hohe Alter gedacht werden, damit Erwachsenenbildung mehr alternsgerechte Angebote entwickeln kann, Lernorte attraktiver und inklusiver gestaltet werden. Non-formales und informelles Lernen braucht mehr Sichtbarkeit und Anerkennung – beispielsweise durch Erfolgsgeschichten, Öffentlichkeitsmaßnahmen oder vielleicht eine landesweite kooperativ angelegte Initiative nach dem Motto „Lernen kennt kein Alter“. Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – Politik, Erwachsenenbildungseinrichtungen, Unternehmen, Gemeinden, Zivilgesellschaft und jede/r Einzelne sind gefordert. Meine Kolleginnen und ich im Referat Familie, Erwachsenenbildung und Frauen sehen uns dabei als Lobbyistinnen für dieses Thema: wir schaffen Bewusstsein, treiben Vernetzung, Sichtbarkeit und konkrete Projekte voran, damit Lernen im Alter nicht nur möglich, sondern selbstverständlich wird.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Lebenslanges Lernen?
Sehr wichtig – in meinem Leben hat Weiterbildung einen ganz großen Stellenwert. Vieles passiert da im beruflichen Kontext, ich bin aber auch ganz grundsätzlich eine Wissensbegierige. Mich interessiert einfach vieles. Und es ist mir wichtig, sich immer wieder ein Stück aus der Komfortzone herauszubewegen und sich mit Neuem zu beschäftigen.

Was haben Sie da beispielsweise schon alles gemacht?
Aktuell mache ich gerade ein berufsbegleitendes Master-Studium ­ „Digitales Gesundheitsmanagement“. Davor habe ich, auch berufsbegleitend, „Aging Services Management“ studiert. Berufsbedingt bin ich auch immer wieder auf Fachtagungen und Konferenzen.

Ich reise sehr gerne und bereite mich da auch immer entsprechend vor. Vor allem, was die sprachlichen Kompetenzen angeht. Ich habe daher Italienischkurse gemacht und an der Volkshochschule Portugiesisch gelernt. Da bin ich gerade wieder dran, weil eine Südamerikareise bevorsteht. Vor zwei Jahren habe ich einen Golfkurs besucht und war wirklich überrascht, was man da rund um Regelkunde und Technik alles lernt. Abgesehen vom Kontakt zu anderen Menschen.

Steht bereits etwas Neues auf dem Plan?
Wie gesagt: Mir ist es wichtig, neugierig zu bleiben. Ich würde zum Beispiel gerne einmal an einem Workshop meiner Freundin teilnehmen, die wunderbare Perlenohrringe herstellt und dieses Wissen und Können weitergibt. Und im Weiterbildungsnavi bin ich auf das Angebot „Better Aging Coach“ gestoßen – das würde ich gerne machen.

Gibt es eine Fähigkeit, die Sie gerne besitzen würden?
Ja – Saxophon und Geige spielen. Aber das geht sich in diesem Leben wohl nicht mehr aus.

Bildung wirkt … doppelt, beziehungsweise nach unserem Motto „ZWEI & MEHRfach“ – durch Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten, in generationenübergreifenden Projekten usw. Bildung hat „spread effects“, wirkt also auch immer ins soziale Umfeld hinein.

Mehr zum Thema Bildung und Lernen im Alter finden Sie auf unserer Website unter Bildungsthemen des Landes.

Weiterführende Informationen

Im Weiterbildungsnavi Steiermark finden Sie tausende Bildungsangebote zu unterschiedlichen Themen. Es ist bestimmt auch etwas für Sie dabei! Hier erhalten Sie auch Informationen zu den Angeboten für ältere Menschen, darunter die genannte Ausbildung zum Better Aging Coach.

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