Zukunftsdialoge Globales Lernen: Gendergerechtigkeit als fundamentales Menschenrecht | Bildung für Erwachsene in der Steiermark

Zukunftsdialoge Globales Lernen: Gendergerechtigkeit als fundamentales Menschenrecht

Dezember 2025

Mitte November 2025 fanden an den Pädagogischen Hochschulen Steiermark und Wien die Zukunftsdialoge Globales Lernen rund um das Thema „Gendergerechtigkeit durch (welche) Bildung?“ statt. Im Fokus stand die Frage, wie Bildung den Mut, die Kreativität und die Fähigkeiten fördern kann, um neue Wege für eine demokratische, gewaltfreie und (gender-)gerechte Gesellschaft zu finden.

Die Zukunftsdialoge Globales Lernen/Global Citizenship Education wurden gemeinsam von der Strategiegruppe Globales Lernen, den Pädagogischen Hochschulen Wien und Steiermark, der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich sowie weiteren Organisationen durchgeführt.

Die vier Expertinnen des Tages – Nikita Dhawan, die per Liveschaltung zugeschaltet war und Brigitte Temel, Veronika Demel sowie Monika Gigerl vor Ort – beleuchteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und Standpunkten. Einen kleinen Einblick in die Themenvielfalt und Inhalte wollen wir ohne Anspruch auf Vollständigkeit und aus unserer Perspektive gerne mit dieser Nachschau teilen. Das Programm und Kurzbeschreibungen des Zukunftsdialogs 2025 zum Nachlesen finden Interessierte auch unter https://zukunftsdialoge-globaleslernen.at/die-tagung.

Die Zukunftsdialoge Globales Lernen – früher Bundesfachtagung Globales Lernen – laden PädagogInnen und AkteurInnen aus allen Bildungsbereichen dazu ein, sich mit globalen Zukunftsfragen zu beschäftigen und in den interdisziplinären Austausch zu treten. 2025 stand das Thema Gendergerechtigkeit im Fokus – als Menschenrecht und wichtige Voraussetzung für eine gerechte, friedliche und nachhaltige Entwicklung.

Wilma Hauser von der Pädagogischen Hochschule Steiermark wies in ihrer Anmoderation darauf hin, dass das Menschenrecht der Gendergerechtigkeit zunehmend unter Druck gerät. Sie attestiert einen gesellschaftlichen Backlash und verweist dabei beispielsweise auf die 83.000 Frauen und Mädchen, die 2024 weltweit durch Femizide getötet wurden. Ihr Plädoyer für eine vielfältige Gesellschaft verband sie mit der Einladung zum Austausch und gemeinsamen Lernen. Bereits vor zehn Jahren verabschiedeten alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030. Die darin enthaltenen Nachhaltigkeitsziele 4 und 5 betonen ausdrücklich inklusive, hochwertige Bildung sowie Gendergerechtigkeit – und doch befinden wir uns 2025 in einer Realität, in der Radikalisierungstendenzen weltweit deutlich zu erkennen sind. Randgruppen werden marginalisiert und zu Feindbildern stilisiert. Eine gerechte, friedliche und nachhaltige Entwicklung sowie demokratisches Handeln werden zunehmend in Frage gestellt.

Difference do a difference (Unterschiede machen einen Unterschied)
Viele Menschen suchen Stabilität und Orientierung in bekannten Ordnungen und Systemen. Traditionelle Rollenbilder vermitteln dabei oft eine scheinbare Sicherheit, wie Nikita Dhawan in ihrer Keynote „Backlash und Widerstand: Die Verteidigung intersektionaler Geschlechterpolitik“ eindrücklich zeigte. Sie stellte fest, dass sich so genannte De-Demokratisierungsprozesse zunehmend verstärken. Für sie ist die Haltung gegenüber Gleichstellung ganz klar ein „Seismograf für die Demokratie“. Angriffe auf die Rechte von Minderheiten sieht Dhawan als Angriffe auf die Demokratie selbst. Ihre Botschaft: Im Gegensatz zu dem, was man als Kind von den Eltern lernt, sollte man mit Fremden sprechen, um von ihnen und mit ihnen zu lernen.

Gendergerecht in die digitale Zukunft
Brigitte Temel erinnerte daran, dass in den 1990er-Jahren die Hoffnung verbreitet war, der digitale Raum könne mehr Teilhabe und Mitbestimmung für alle Menschen ermöglichen. Als positives Beispiel, das hoffen ließ, nennt sie die seit 2017 erstarkende #MeToo-Bewegung, die weltweit große Resonanz fand. In diesem Fall wird sichtbar, wie soziale Medien dazu beitragen können, Fälle von sexuellem Missbrauch sichtbar zu machen und die Solidarität unter Frauen zu stärken. Aktuell häufen sich aber negative Beispiele, die die Hoffnung durchaus schmälern. Veronika Dremel verdeutlichte anhand ihrer Erfahrungen mit Schülerinnen und Schülern, wie unreflektiert viele mit digitalen Inhalten umgehen. Über TikTok verbreiten sich antifeministische Botschaften, etwa die sogenannte „zurück-an-den-Herd“-Philosophie, die Frauen von so genannten „Tradwifes“ als ideal für ein gutes Leben präsentiert wird. Diese „traditional wifes“ leben das Vorbild aber nicht, sie sind keine Hausfrauen, sondern Influencerinnen. Auch als gefährlich für Gendergerechtigkeit, Frauen- und Menschenrechte muss Content aus der so genannten Manosphere eingestuft werden, wo Männer den Alpha-Mann propagieren, Pick-up Artists Frauen zum Spielball ihrer Triebe degradieren und die Incel-Ideologie offen Frauenfeindlichkeit verbreitet.

Foto © PHSt/ Susanne Wiedner

Auf der Suche nach Lösungen für eine geschlechtergerechte und nachhaltige Entwicklung, für eine friedliche Gesellschaft sieht Veronika Dremel klar die Politik gefragt, welche Rahmenbedingungen schafft. Monika Gigerl weist auf die Bedeutung des Ausbaus politischer Bildung und von Medienkompetenz-Angeboten hin, um Menschen zu stärken und sie dabei zu unterstützen, sich in einer digitalen Welt zu orientieren. Die gesellschaftliche Bedeutung von Bildung – und das ein Leben lang – wurde bei den Zukunftsdialogen Globales Lernen von Expertinnen und Teilnehmenden als enorm wichtig eingestuft. Bildung bleibt Schlüsselelement dafür, dass wir alle in einer gerechten und gewaltfreien Gesellschaft leben und uns weiterentwickeln können. Lebenslanges Lernen fördert nicht nur die individuelle Persönlichkeitsentwicklung, sondern stärkt auch die Teilhabe an und das Zusammenleben in der Gesellschaft – einer, in der Randgruppen nicht marginalisiert und Menschenrechte anerkannt und gelebt werden.

Weitere Informationen

Das Programm und Kurzbeschreibungen des Zukunftsdialogs 2025 zum Nachlesen finden Sie auf der Seite der Tagung, einen Nachbericht auf der Website der Pädagogischen Hochschule Graz.

Mehr über die Referentinnen:
Nikita Dhawan, Technische Universität Dresden
Monika Gigerl, Pädagogische Hochschule Steiermark
Brigitte Temel, Institut für Konfliktforschung, Uni Wien
Veronika Dremel, Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark

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