Für alle Steirerinnen da!

Anita Adamiczek hat mit Anfang 50 die Gelegenheit beim Schopf gepackt und die Stelle als Geschäftsführerin im Frauengesundheitszentrum angenommen. Die studierte Juristin arbeitet mit Begeisterung mit und für Frauen und ist ein wahrer Weiterbildungs-Junkie.

Sie sind seit Jänner dieses Jahres Mitglied der Geschäftsführung des Frauengesundheitszentrums. Wie ist es dazu gekommen?

Anita Adamiczek

Ich bin schon seit gut 15 Jahren mit dem Frauengesundheitszentrum verbunden und war von 2015 bis Anfang 2022 Vorstandsvorsitzende. Als die Position der Geschäftsführerin frei geworden ist, wurde ich vorgeschlagen.

War es für Sie sofort klar, diese Aufgabe zu übernehmen?
Ein bisschen Bedenkzeit habe ich mir schon genommen. Aber zum einen hat mich das Vertrauen geehrt, zum anderen bin ich dem Frauengesundheitszentrum, wie gesagt, schon seit vielen Jahren verbunden. Ich kann mich auch voll und ganz mit der feministischen Haltung des Frauengesundheitszentrums identifizieren – es haben die Bedingungen also gut gepasst. Außerdem dachte ich mir: Wann, wenn nicht jetzt mit Anfang 50! Ich freue mich riesig über die Herausforderung, hier mitgestalten zu können!

Welche beruflichen Stationen haben Sie bis dahin absolviert?
Da habe ich einiges gemacht. Nach meinem Jusstudium und der Geburt meiner ersten beiden Söhne war ich im Bereich der sanften Mobilität tätig. Bald war mir klar, dass ich unbedingt im Sozialbereich arbeiten möchte, deshalb habe ich dann das Bachelor-Studium „Gesundheits- und Pflegewissenschaft“ absolviert. Über 10 Jahre habe ich als Bewohnervertreterin für den Erwachsenenschutzverein Vertretungsnetz gearbeitet.

Welche Weiterbildungen waren mit diesen Tätigkeiten verbunden?
Zahlreiche! Viele fachspezifische Weiterbildungen habe ich für meine Tätigkeit als Bewohnervertreterin gebraucht. Privat habe ich den Lehrgang Elternbildung bei den Kinderfreunden absolviert, den Lehrgang für Geriatrie und Gerontologie sowie einen Lehrgang für Ernährung und Psychologie. Zurzeit schließe ich gerade den Master in Medizinrecht ab. Es passiert mir hin und wieder, dass ich auf meine rege Weiterbildungstätigkeit angesprochen werde. Dann antworte ich scherzhaft: „Andere gehen golfen, ich mache Fortbildung!“

Wie hat sich diese umfassende Wissenserweiterung auf Ihr berufliches und privates Leben ausgewirkt?
Ich bin eine Befürworterin von lebenslangem Lernen. Bezogen auf meine Arbeit im Frauengesundheitszentrum kann ich die Aussage „Wissen macht stark und gesund“ nur bestätigen. Weiterbildung erweitert meinen Horizont, ich bekomme dadurch einen besseren Blick für berufliche und auch für private Themen. Und es kommen laufend Weiterbildungen dazu – das macht mein Arbeiten, aber auch mein Leben generell entspannter und leichter. Man wird gelassener. Jede Bildung ist eine enorme Bereicherung.

Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Ich wollte Kinderärztin werden. Eigentlich habe ich erst mit 18 umgeschwenkt und Jus studiert. Im Jusstudium habe ich mich aber ganz wunderbar wiedergefunden – schließlich fließt das Thema Recht ja überall mit ein.

Was macht eine Einrichtung wie das Frauengesundheitszentrum so notwendig und wichtig?
Da gibt es zahlreiche Gründe dafür. Gerade Corona hat etwa gezeigt, dass die Care-Arbeit nach wie vor bei den Frauen liegt. Auch der ganze Bereich der Gender Medicine braucht noch viel Lobbying – zumindest wird dieser Aspekt jetzt (immer öfter) berücksichtigt. Wir haben hier aber nach wie vor Versorgungsdefizite. Die Medizinforschung etwa ist nach wie vor zu wenig auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet. Ganz wichtig ist uns auch die Mädchenarbeit. Speziell Mädchen haben sich in Zeiten der Pandemie sehr zurückgezogen. Da bieten wir unter anderem Einzelberatungen (kostenfrei im Rahmen des Projektes Selbstwert+) und Workshops, etwa zum Thema gesundheitsförderliche Social-Media-Nutzung, an. Kurz zusammengefasst: Wir stärken Frauen und Mädchen direkt mit unseren Angeboten und arbeiten auf struktureller Ebene für bessere Rahmenbedingungen. Denn Frauen können noch so selbstbewusst und stark sein, wenn die Rahmenbedingungen sich nicht verbessern, bleibt es schwierig.

Was schätzen Frauen an eurem Angebot besonders?
Dass wir rasch und unbürokratisch unterstützen. Wir haben sehr niederschwellige Zugänge, flexible Öffnungszeiten, kostenlose und/oder leistbare Angebote. Im Idealfall ist eine Expertin vor Ort, die rasch und unmittelbar Auskunft geben kann, oder mit der ein Termin vereinbart werden kann Wir leiten aber auch an entsprechende Stellen weiter. Oft reicht es schon, dass eine freundliche Stimme am Telefon ist, die Zeit hat und zuhört. Das hilft mitunter bereits, um Ängste abzubauen und Unsicherheit zu nehmen. Sehr viele nehmen auch unser Psychotherapie-Angebot in Anspruch.

Was würden Sie sich für die Frauengesundheit wünschen? Von den Frauen, aber auch von der öffentlichen Hand?
Was die öffentliche Hand angeht, so erfahren wir sehr viel Wertschätzung – die Zusammenarbeit mit Stadt und Land funktioniert wirklich sehr gut. Dafür auch ein großes Danke! Von den Frauen wünschen wir uns, dass sie unsere Angebote annehmen und uns gegebenenfalls rückmelden, wenn sie was anderes brauchen. Auch, dass sie die Tipps und gesunden Infos, die sie von uns bekommen, in ihrem Alltag umsetzen. Wir verstärken hier unsere Zielgruppenarbeit, um Frauen auf uns aufmerksam zu machen. Wir gehen dazu auch hinaus in die Gemeinden und arbeiten mit anderen Organisationen, Vereinen oder Schulen zusammen.

Welche Bedeutung räumen Sie der Erwachsenenbildung bezüglich Gesundheit generell, speziell aber hinsichtlich Frauengesundheit ein?
Wir brauchen unbedingt verstärkte Kompetenzen in Sachen Gesundheit. Da gibt es hierzulande Aufholbedarf. Gerade der Health Literacy Month, der jährlich im Oktober begangen wird, versucht diesbezüglich Bewusstsein zu schaffen. Frauen sind Expertinnen für sich selbst. Um sich im Gesundheitsinformationsdschungel zurechtzufinden, Werbung von glaubwürdigen Informationen zu unterscheiden, bei der Ärztin/dem Arzt die richtigen Fragen zu stellen, braucht es Angebote – Weiterbildungen. Durch gesundheitskompetente Frauen und auch Männer spart der Staat auf lange Sicht gesehen Kosten. Erwachsenenbildung ist auch wichtig in der Hinsicht: Was kann ich tun, um gesund zu bleiben? Gesundheit braucht unbedingt Weiterbildungen.

Bildung wirkt … gesundheitsfördernd!

Weiterführende Informationen

Im Weiterbildungsnavi Steiermark finden Sie tausende Bildungsangebote zu unterschiedlichen Themen. Es ist bestimmt auch etwas für Sie dabei! Hier finden Sie Informationen zum Frauengesundheitszentrum >

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