Erfahrung und Handlungsempfehlungen aus Projekten

Gesellschaftlicher Wandel und veränderte Bedürfnisse auch seitens der TeilnehmerInnen an Weiterbildungsmaßnahmen stellen an die Erwachsenenbildung immer neue Ansprüche. Seit Österreichs Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention sowie nationaler und regionaler Aktionspläne zu deren Umsetzung kommt damit auch dem Recht auf Bildung und Weiterbildung von Menschen mit Beeinträchtigung ein immer größerer Stellenwert zu.

Projekte zu “Barrierefreier Erwachsenenbildung”

Im Zeitraum 2013 bis 2018 wurden zwei Projekte mit Landesförderung im Rahmen des Steirischen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Kooperation des Bildungsnetzwerks Steiermark, des Lesezentrums Steiermark, des Katholischen Bildungswerks und der alpha nova Akademie durchgeführt. Ziele waren die Gestaltung barrierefreierer Rahmenbedingungen in den steirischen Bibliotheken und Bildungsorganisationen, Bildungsorganisationen im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung zu stärken und somit die Teilnahme von Menschen mit Beeinträchtigung an Weiterbildung, zu fördern.

Auf Basis einer Untersuchung in der steirischen Erwachsenenbildungs- und Bibliothekslandschaft (befragt wurden 220 Öffentliche Bibliotheken und 72 gemeinnützige Erwachsenenbildungseinrichtungen in der Steiermark) wurden konkrete Bedarfe und Entwicklungspotentiale erfasst und u.a. entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen für BibliothekarInnen und MitarbeiterInnen in Erwachsenenbildungseinrichtungen entwickelt.

Die hier folgenden Handlungsempfehlungen leiten sich vorrangig aus Ergebnissen dieser beiden steirischen Projekte zur Förderung der Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung und den Erfahrungen aus der österreichweiten Vernetzung mit Bildungseinrichtungen und Behindertenverbänden ab.

Barrierefreiheit in der Steiermark

Claudia Zülsdorff (Bildungsnetzwerk Steiermark) und
Dr.in Verena Gangl (Lesezentrum Steiermark)

Erwachsenenbildung ist, nach der Zahl der Teilnahmen gesehen, der größte Sektor im lebensbegleitenden Lernen, der ausdifferenzierteste und sich am stärksten wandelnde Bildungsbereich in Österreich. Die Angebotslandschaft in der Steiermark ist überaus vielfältig: Etwa 380 bis 400 AnbieterInnen bestimmen diese Landschaft der Erwachsenenbildung; EinzelanbieterInnen und freiberufliche AnbieterInnen nicht mit eingerechnet.

Zusätzlich bilden rund 600 Bibliotheken – die sich auch als Bildungseinrichtungen für alle Altersgruppen verstehen – derzeit die (nicht-wissenschaftliche) Bibliothekslandschaft in diesem Bundesland. Dies sind etwa 220 Öffentliche Bibliotheken, über 320 Schulbibliotheken und Bibliotheken in Sonderform wie z.B. Bibliotheken in Kindergärten, Krankenhäusern oder Vereinen.

Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung gilt als eine der Voraussetzungen um Lebensbegleitendes Lernen für ALLE zu realisieren; die UN-Behindertenrechtskonvention und der Steirische Aktionsplan zu deren Umsetzung weisen explizit auf die Bedeutung und Dringlichkeit von Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung hin. lntegrative Bildung und soziale Inklusion sind auch als bildungspolitische Herausforderungen und Schwerpunktthemen in der steirischen Strategie zum Lebenslangen Lernen definiert. Ziel ist ein möglichst offener Zugang zum lebensbegleitenden Lernen in Bildungseinrichtungen und Bibliotheken für alle.

Gerade Erwachsenenbildungseinrichtungen und Bibliotheken ermöglichen es, durch ihre vielfältigen Angebote den Spielraum biografischer Entscheidungen über Teilhabemöglichkeiten zu erweitern. Dadurch spielen sie in allen Fragen sozialer Inklusion eine wichtige Rolle[5]. „Barrierefreiheit” versteht sich dabei zum einen naturgemäß als barrierefreie Erreichbarkeit der Räume, der Gebäude, der Institution; beinahe noch bedeutsamer jedoch ist die Rolle des (pädagogischen) Personals, der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Bildungseinrichtungen sowie der Trainer und Trainerinnen und auch das Themenfeld der Zielgruppenerreichung. Es geht also neben den baulichen vor allem um die sozialen und kommunikativen Barrieren, die schlimmstenfalls Menschen mit Beeinträchtigung von Weiterbildungsmaßnahmen oder Bibliotheksbesuchen ausschließen können.

Auch der Arbeitsmarkt zeichnet ein eindeutiges Bild: Selbst mit abgeschlossener Berufsausbildung stehen Menschen mit Behinderung verhältnismäßig deutlich seltener in Beschäftigung als Menschen ohne Behinderung. Und die Teilnahme von Menschen mit Behinderung an Weiterbildung ist verhältnismäßig signifikant niedriger, als die Teilnahme von Menschen ohne Behinderung[6]. Hinsichtlich Inklusion sind somit vor allem Bildungs- und Sozialsystem gefragter denn je, miteinander in Kooperation zu treten.

Bildungsarbeit mit und für Menschen mit Beeinträchtigung – ob körperliche, psychische oder Sinnesbeeinträchtigung – steht der sich immer schneller drehenden (Bildungs-)Welt gegenüber. So erfordert “barrierefreie” (verstanden sowohl als bauliche, aber auch und vor allem kommunikative und soziale Zugänglichkeit) Erwachsenenbildung ein individuelles Zugehen auf die Lernenden, keine schnell abspulbaren Kurse oder Qualifikationen, sondern sorgfältiges Planen, Sich-Öffnen und Professionalisierung der Trainer und Trainerinnen. Lehr- und Lernprozesse in diesem Zusammenhang haben vielleicht ein anderes Tempo und rücken so auch den Faktor Zeit wieder vermehrt in den Mittelpunkt. Herkömmliche didaktische oder methodische Vorgehensweisen greifen in jedem Fall zu kurz. Nicht zuletzt ist das Thema im Kontext von Modernisierung eine Management-Aufgabe und damit Gegenstand von (internem) Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung hin zu mehr Diversität, Verschiedenheit im (Weiter-/Erwachsenen-)Bildungsbereich.

Handlungsempfehlungen

Herausforderungen und Aufgaben für die Zukunft

Der Weiterbildungssektor ist wie kein anderer Bildungsbereich darin geübt, sich auf gesellschaftlichen, sozialen und inhaltlichen Wandel sowie auf wechselnde prioritäre Themen einzustellen und sich dabei flexibel zu zeigen. Bildungseinrichtungen und Bibliotheken sind gefordert, sich immer wieder neu zu positionieren, um ihre Zielsetzungen erfüllen zu können und allen Mitgliedern der Gesellschaft Teilhabe und persönliche sowie fachliche Entwicklung durch Bildung zu ermöglichen.

Auch im Rahmen des Projekts „Barrierefreie Erwachsenenbildung” ergab sich, dass es bereits sehr offene Bildungsorganisationen gibt, die vorhandenen Herausforderungen jedoch nur bewältigen werden können, wenn das Selbstverständnis der Organisation, ihre leitenden Annahmen, ihre Konzepte und ihre Praxis im Sinne von Change-Prozessen bewusst auf den Prüfstand gestellt werden. Dies bedingt ein gutes System an Informationsleistungen, Möglichkeiten zu inter-organisationalem Austausch und vor allem ein adäquates und transparentes Weiterbildungsangebot.

Immer wieder ist zu hören und zu lesen, dass Barrierefreiheit und Konzepte inklusiven Denkens und Handelns „implementiert“ werden müssen – den gesetzlichen Anforderungen folgend. Die „hard-facts“ lassen sich nicht einfach beiseite wischen: Bereits seit 1. Jänner 2016 müssen in Österreich alle öffentlich zugänglichen Gebäude barrierefrei sein. Dies gilt für Geschäfte, Restaurants, Hotels, Freizeitunternehmen, Kulturbetriebe und selbstverständlich auch für Bildungsorganisationen und Bibliotheken.

Institutionelle Ebene

Die Vorgaben sind klar, gesetzliche Rahmen sind wichtig – aber echte Entwicklungsschritte innerhalb der Bildungsorganisationen passieren zumeist aus eigenem Antrieb. Bei der Befragung gaben nur drei aller Bildungseinrichtungen an, bereits umfassend barrierefrei zu sein.

Da Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung weit über ein ungehindertes Betreten von Bildungsräumen hinausgeht, betrifft das Thema die Institution als Ganzes und ist somit, wie erwähnt, Management-Angelegenheit in jeder Organisation. Der Abbau von Barrieren ist als permanenter und ergebnisoffener, umfassender Veränderungsprozess zu sehen, doch das Positive ist: Barrierefreiheit und Inklusion können im Kleinen beginnen, etwa durch eine gute Anfahrtsbeschreibung auf der Website.

Als besonders hilfreich, um diese Entwicklungsprozesse und ersten Schritte in den Bildungseinrichtungen und Bibliotheken in Gang zu setzen bzw. zu unterstützen, haben sich (auch innerhalb des Projekts) Begehungen durch ExpertInnenfür Barrierefreiheit in den Organisationen erwiesen. Derartige Begehungen bieten einen direkten Praxiseinstieg und die konkrete Auseinandersetzung der individuellen Institution mit sich selbst im Bereich Barrierefreiheit. Das Bildungsnetzwerk und das Lesezentrum haben selbst nach der Begehung damit begonnen, das Thema Barrierefreiheit als fixen Bestandteil in der internen Qualitätsentwicklung zu etablieren und können allen Bildungseinrichtungen und Bibliotheken eine Begehung durch ExpertInnen als Impuls zur Organisations- und Qualitätsentwicklung hinsichtlich Barrierefreiheit sehr empfehlen.

MitarbeiterInnen mit Beeinträchtigung

Als günstig für den Abbau von Barrieren kann auch angesehen werden, wenn Menschen mit Behinderung selbst in der Institution arbeiten. Die Ergebnisse der Befragung haben eindeutig gezeigt: die Bereitschaft, Menschen mit Behinderung als MitarbeiterInnen einzustellen ist in steirischen Bildungseinrichtungen und Bibliotheken durchaus gegeben. Als Voraussetzung für die Arbeit im Feld der Erwachsenenbildung scheint „nur“ die entsprechende berufliche Qualifikation ausschlaggebend.

Die Tatsache, dass dennoch sehr wenige Menschen mit Behinderung in der Erwachsenenbildung tätig sind, kann nicht nur durch Barrieren, die Bildungseinrichtungen (noch) nicht beseitigt haben, begründen werden. Die „Barrieren im Kopf“ bestehen auch bei Menschen mit Behinderung selbst, die den Schritt zur Weiterbildung, zur Aneignung entsprechend spezifischer Qualifikationen nicht wagen bzw. bislang noch nicht gewagt haben. Sehr positiv: einige wenige ErwachsenenbildnerInnen mit Behinderung haben kürzlich die wba-Zertifizierung (Weiterbildungsakademie Österreich) als “zertifizierte ErwachsenenbildnerInnen” erfolgreich abgeschlossen.

Geschulte und sensibilisierte MitarbeiterInnen mit und ohne Beeinträchtigung

Eine Voraussetzung für die notwendigen Umgestaltungsprozesse stellt gut qualifiziertes und zum Umgang mit Diversität motiviertes Personal auf allen Ebenen des Bildungssystems dar. Deutschland hat beispielsweise seinen Bildungsbericht 2014 durch eine Analyse der Situation von Menschen mit Behinderung im Bildungsbereich ergänzt. Dieser zeigt auf, dass es genau dieser Bereich ist – die Weiterbildung von Personen, die bereits in Institutionen tätig sind –, der auf dem Weg zum Abbau von Barrieren besonders große Beachtung finden muss.

Neben Fragen der allgemeinen barrierefreien Zugänglichkeit von Bildungseinrichtungen und Bibliotheken in der Steiermark wurde im Rahmen der Befragung daher der Bereich des Personals in Bildungseinrichtungen genauer betrachtet: Es galt hinzusehen und nachzufragen, ob die MitarbeiterInnen in den Bildungseinrichtungen bereits ausreichend auf die neuen Zielgruppen vorbereitet sind bzw. wie hoch der Weiterbildungsbedarf der MitarbeiterInnen in der Steiermark hinsichtlich Barrierefreiheit und Diversität tatsächlich ist.

Notwendig und im Rahmen der Umfrage-Rückmeldungen durch sowohl Bildungseinrichtungen als auch Bibliotheken ausdrücklich gewünscht werden (wobei sich im Projektverlauf die Wünsche und Fragestellungen zunehmend konkretisieren und verstärken):

  • Mehr Information zu Barrierefreiheit allgemein und zu spezifischen Themen
  • Verlässliche, kompetente Ansprechpersonen außerhalb der eigenen Organisation;
  • Mehr Möglichkeiten zu themenspezifischem Austausch zwischen den Organisationen;
  • Kontinuierliche Möglichkeiten zu Weiterbildungen zu spezifischen Inhalten.

Weiterbildung im Bereich Barrierefreiheit

Dem augenscheinlichen Bedarf an Weiterbildung steht aktuell ein zahlenmäßig dürftiges und inhaltlich wenig abgestimmtes Angebot gegenüber, das über vereinzelte Kurse und Initiativen noch nicht hinausgeht. Zwar bieten verschiedene Bildungseinrichtungen bereits einige wenige Lehrgänge, Kurse, Workshops und Sensibilisierungsmaßnahmen an, doch sind Titel und Beschlagwortung (im Web) der Veranstaltungen derart inhomogen, so dass sie ohne bereits vertieftes Fachwissen kaum unter verlässlichen Suchbegriffen in Datenbanken oder Internetrecherchen ausfindig gemacht werden können. Die Suche nach passenden Angeboten erschwert zudem, dass nicht alle Angebote in der klassischen Erwachsenenbildung zu finden sind, sondern auch bei Interessensvertretungen und Einrichtungen, die im Sozialbereich angesiedelt sind. Hier gilt es verstärkt transdisziplinär zu arbeiten und v.a. auf Anbieterseite die Aufmerksamkeit für diese Problematik zu schärfen, um im Sinne der BildungskundInnen die Transparenz der Angebote zu verbessern.

Im Rahmen der Projekte zu “Barrierefreier Erwachsenenbildung” wurde bereits ein Lehrgang “Barrierefreie Erwachsenenbildung” speziell für MitarbeiterInnen in Bibliotheken und der Erwachsenenbildung entwickelt und durchgeführt. Dieser berufsbegleitende Lehrgang bot erstmals in der Steiermark in konzentrierter Form die Möglichkeit, sich dem Thema Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung anzunähern und sich auf zukünftige Erfordernisse vorzubereiten. Durch die Landesförderung konnte der Lehrgang zudem äußerst kostengünstig angeboten werden. Die zahlreichen Rückmeldungen auf dieses Angebot zeigten, dass zwar großes Interesse bereits an diesem ersten Lehrgang und an den angebotenen Inhalten bestand, dass allerdings aktuell ein umfassender Lehrgang für viele LeiterInnen und MitarbeiterInnen in der Erwachsenenbildung und in Bibliotheken aus mangelnden Zeit- und Geldressourcen kaum zusätzlich zum Alltagsgeschäft bewältigbar ist. Die immer höheren Anforderungen in allen Bereichen der täglichen Bildungsarbeit stehen immer weniger pädagogischem Personal gegenüber. Bibliotheken gaben auch im Gespräch an, dass es keine finanziellen Ressourcen für ihre betriebsinterne Weiterbildung gibt – Stichwort Ehrenamtlichkeit! – und eine Teilnahme am Lehrgang darum nur mit persönlichem (privatem) finanziellen und v. a. zeitlichen Einsatz möglich wäre.

Dennoch besteht weiterhin Bedarf und Nachfrage nach dieser umfassenden Ausbildung, was die Aktualität und Dringlichkeit der Thematik unterstreicht. Die Komplexität und Heterogenität der Zielgruppe der Menschen mit Beeinträchtigung machen eine umfassende Auseinandersetzung – etwa in Form eines Lehrganges – notwendig. Darüber hinaus bedarf es allerdings auch ressourcenschonender Zugänge, kurzer Weiterbildungsmöglichkeiten zu spezifischen, in den Organisationen aktuell relevanten Themenschwerpunkten. Im Rahmen des Projektes wurde daher das Format der Mini-Workshops zum Einstieg erprobt – ein Workshop zum Thema “barrierefreie Kommunikation” wurde 2014 bereits angeboten und sehr gut angenommen. Ab Herbst 2015 sollen weitere Angebote nach diesem Vorbild folgen.

Barrierefreiheit in Ausbildungen und Lehrgängen

Notwendig wäre, Barrierefreiheit als Querschnittsthema grundsätzlich in allen Ausbildungslehrgängen in der Erwachsenenbildung zu implementieren. Erste positive Ansätze sind bereits gegeben. So hat z.B. das Katholische Bildungswerk in der Steiermark in alle Ausbildungslehrgänge (etwa jenen in der Elternbildung) Barrierefreiheit als verpflichtenden Bestandteil aufgenommen. Dass der Bereich der Barrierefreiheit künftig aber in keiner Ausbildung von ErwachsenenbildnerInnen, BibliothekarInnen und Personen, die im Feld der Erwachsenenbildung tätig sind (und hier ist nicht nur das pädagogische Personal gemeint!), fehlen darf, liegt auf der Hand, ist aber in den aktuellen Ausbildungen noch nicht selbstverständlich realisiert. Anzustreben ist jedenfalls, das Thema Barrierefreiheit verpflichtend z.B. in der Ausbildung der ehrenamtlichen/nebenberuflichen und hauptamtlichen BibliothekarInnen und ErwachsenenbildnerInnen zu verankern.

So müsste etwa in der vom Bundeskanzleramt getragenen und am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in St. Wolfgang stattfindenden, modularen Bibliothekars-Ausbildung Barrierefreiheit in das Curriculum Eingang finden und so zum festen Bestandteil eines professionellen bibliothekarischen Selbstverständnisses werden. Auch im wba-Curriculum, mittels dessen erwachsenenbildnerische Kompetenzen nachgewiesen und anerkannt werden, wäre es dringend erforderlich, Barrierefreiheit und Diversität zu fixen und v.a. verpflichtenden Bestandteilen werden zu lassen.

Kooperative Entwicklungsplanung

Da gerade im erwachsenenpädagogischen Bereich aktuell noch sehr wenig Weiterbildung hinsichtlich Barrierefreiheit angeboten wird, ist es besonders wichtig, neben dem Angebot einer umfassenden Ausbildung (wie dem Lehrgang „Barrierefreie Erwachsenenbildung“), die in jedem Fall zumindest alle zwei Jahre angeboten werden sollte, regelmäßig ressourcenschonende Weiterbildungsformate, gezielte Informationsleistungen und vermehrt die Möglichkeiten zu themenspezifischem Austausch bereit zu stellen.

Besonderes Augenmerk ist auf eine kooperative Entwicklungsplanung der Angebote zu legen, so dass aus den aktuell vereinzelten Angeboten in der Steiermark und österreichweit ein transparentes System wachsen kann. Die Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bedürfen einer gemeinsamen, systematischen Konzeptuierung und gezielten Verzahnung. Notwendig hierfür ist die (auch budgetäre) Möglichkeit einer mittel- bis längerfristigen und kooperativen Entwicklungsplanung.

Zu Guter Letzt: Barrierefreiheit beginnt im Kopf!

Die Projekte zu „Barrierefreier Erwachsenenbildung“ haben ergeben, dass vieles an Bereitschaft und Wissen in den Bibliotheken und Erwachsenenbildungseinrichtungen schon vorhanden ist, die Stadien der Umsetzung und der Möglichkeiten jedoch sehr divergieren. Oft war auch Überforderung mit dem Thema spürbar – und diese macht zuallervorderst eine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema

Behinderung/Beeinträchtigung auf ganz persönlicher Ebene notwendig. Denn Barrierefreiheit beginnt nicht beim Eingang zur Organisation oder mit der Frage, ob sich die Türe auch leicht von einem Rollstuhlfahrer/einer Rollstuhlfahrerin öffnen lässt, sondern mit der allgemeinen Diskussion, ob ich als Bildungsinstitution nur jenen Weiterbildungsmöglichkeiten bieten will, die ohnehin schon an meinen Bildungsangeboten teilnehmen – oder ob ich mich tatsächlich öffnen will, mich dabei sowohl der (finanziellen!) Herausforderung ´bauliche Barrierefreiheit´ als auch der Themen Kommunikation nach außen (KundInnenkontakt, Bereitstellung von Materialien und Informationen, Medienangebot, MitarbeiterInnen-Politik, etc.) annehmen will.

Barrierefreiheit ist damit als ein Prozess zu verstehen, der niemals abgeschossen ist. Sie bildet mit weiteren gesellschaftlichen Herausforderungen, wie etwa Migration, Gender oder Alter (Demographie) den Themenkomplex Diversität und Diversity Management. Es ist an der Zeit, dass Barrierefreiheit Synergien zu diesen anderen Bereichen nutzt und verstärkt sichtbar macht.

Für Hinweise und weitere Fragen zu Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung können Sie sich gerne mit uns in Verbindung setzen:

Bildungsnetzwerk Steiermark

Claudia Zülsdorff