Erhebung zur digitalen Erwachsenenbildung

Februar 2021

In den vergangenen Jahren haben Online-Angebote verstärkt Einzug in die steirische Bildungslandschaft gehalten. Seit der Corona-Pandemie ist ein regelrechter Digital-Boom zu verzeichnen. Doch wie stehen die BildungskundInnen zu digitalen Bildungsformaten? Dazu hat das Bildungsnetzwerk Steiermark 292 KundInnen von steirischen Erwachsenenbildungs-Einrichtungen befragt.

Die wesentlichsten Ergebnisse:

  • Acht von zehn Befragte haben schon einmal ein digitales Angebot genützt. Die überwiegende Mehrheit von ihnen (94 Prozent) würde das auch in Zukunft wieder tun. Größere Skepsis zeigte sich bei Personen ohne Teilnahmeerfahrungen: Hier können sich nur rund zwei Drittel vorstellen, ein Online-Angebot in Anspruch zu nehmen.

  • Die Bereitschaft für eine Online-Veranstaltung zu bezahlen ist grundsätzlich hoch. Nur 12 Prozent würden ausschließlich kostenlose Angebote in Anspruch nehmen. Allerdings erwartet die Hälfte der zahlungswilligen Personen eine preisliche Reduktion gegenüber Präsenzangeboten. Die höchste Bereitschaft, für digitale Angebote gleich viel wie für Präsenzangebote zu bezahlen, gibt es unter den AkademikerInnen.

  • Die häufige Annahme, jüngere Lernende würden Online-Angeboten offener gegenüberstehen, konnte nicht bestätigt werden. Auffälligkeiten zeigten sich bei geringqualifizierten Personen (Pflichtschulabschluss): Diese wurden in der Umfrage kaum erreicht, die Hälfte hatte noch keine Erfahrung mit Erwachsenenbildung und zeigte geringes Interesse an digitalen Bildungsformaten.

  • Flexibilität, bessere Alltagsvereinbarkeit und neue Chancen für die Unterrichtsgestaltung wurden als die wesentlichsten Vorteile von digitalen Angeboten genannt. 11 Prozent der Befragten lehnen Online-Angebote grundsätzlich ab. Als Gründe dafür wurden die fehlende persönliche Komponente, aber auch Herausforderungen mit der technischen Infrastruktur genannt. Einige von ihnen können einer Kombinationsform aus Online- und Offline-Einheiten jedoch durchaus etwas abgewinnen.

Ähnliche Ergebnisse zeigten sich auch in einer Umfrage des Instituts für Markt- und Sozialanalysen (IMAS 2020: Weiterbildung in Corona-Zeiten, beauftragt von WKO/WIFI). Darin wurde etwa auch erhoben, dass bei Kombinationsformaten eine durchschnittliche Aufteilung von 4:6 (Online zu Präsenz) bevorzugt wird.

Erwartungen und Qualitätskriterien

Zudem wurde erhoben, was den KundInnen sowohl bei Präsenz- als auch bei digitalen Angeboten besonders wichtig ist. Dabei zeigte sich, dass die Erwartungen durchaus sehr ähnlich sind. Als wichtigste Kriterien wurden fachlich und methodisch professionelle TrainerInnen und eine anregende Lernatmosphäre genannt. Und da liegt die Messlatte bei Online-Angeboten noch höher als bei Präsenzangeboten ­– vor allem, was Anforderungen an die Organisation betrifft. Große Übereinstimmung gibt es unter den Befragten dahingehend, dass nicht jedes Thema beziehungsweise jede/r TrainerIn für eine digitale Umsetzung geeignet ist.

(Zukünftige) Zielgruppen

Um zu eruieren, wer die BildungskundInnen von morgen sein könnten, wurden auch potenzielle Zielgruppen definiert. Die Grundlage dafür bildeten die Teilnahme- und Zahlungsbereitschaft sowie die formulierten Erwartungen der befragten Personen.

  •  Es gaben nur 6 Prozent eine klare Präferenz für Online-Angebote an. Sie wünschen sich bezüglich der Formate hohe Flexibilität.

  • Der größte Teil der Befragten (43 Prozent) signalisiert eine hohe Teilnahmebereitschaft, ist jedoch überzeugt, dass digitale Angebote qualitativ nicht gleichwertig sind. Das legt den Schluss nahe, dass diese Zielgruppe keine Online-Formate mehr in Anspruch nehmen wird, sobald Präsenzangebote wieder uneingeschränkt möglich sind.

Gleichzeitig wurde jedoch deutlich, dass in der gegenwärtigen Situation sehr wohl   Bildungsangebote erwartet werden – notfalls eben durch flexible Lösungen. Das zeigt sich auch in der IMAS-Umfrage.

  • Eine interessante Zielgruppe stellen jene dar, die grundsätzlich von einer Gleichwertigkeit von Online- und Präsenzangeboten überzeugt sind (29 Prozent). Voraussetzung für die Inanspruchnahme digitaler Formate sind jedoch die Erfüllung grundlegender Qualitätsansprüche sowie die Berücksichtigung der Besonderheiten des digitalen Raums. Ob diese Gruppe auch im „Regelbetrieb“ digitale Angebote in Anspruch nehmen wird, ist im Moment nicht abschätzbar. Die Vermutung liegt nahe, dass bisherige Teilnahmeerfahrungen entscheidend sein werden.

Grundlage für die Netzwerkarbeit

Digitale Bildungsangebote sind gekommen, um zu bleiben – jedoch nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Die ARGE Steirische Erwachsenenbildung wird daher in Zukunft einen verstärkten Blick auf die Erwartungen der BildungskundInnen in Bezug auf digitale Angebote werfen und kooperativ an der Entwicklung von Angebotsformaten und Finanzierungsmodellen arbeiten.

Den ganzen Ergebnisbericht finden Sie hier:

Bildungsnetzwerk Steiermark

Mag.a Marlies Zechner